Interview/Jockey Talks

Alain de Royer-Dupré

Alain de Royer-Dupré
Alain de Royer-Dupré

GaloppOnline.de: Erzählen Sie, wie sie zum Rennsport gekommen sind. Ihr Vater Jacques de Royer-Dupré war der Direktor eines Nationalgestüts (in Saint-Lô), hat diese Tatsache Sie beeinflusst?

Alain de Royer-Dupré: Ich hatte das Glück, während meiner ganzen Kindheit in einem Gestüt aufzuwachsen, in dem über 250 Pferde untergebracht waren. So konnte ich schon reiten, bevor ich zur Schule ging, das war im Alter von fünf oder sechs Jahren. Später habe ich angefangen, an Wettbewerben und Reitturnieren teilzunehmen.

GaloppOnline.de: Wieso haben Sie mit dem Training von Rennpferden begonnen? Hatten Sie kein Interesse an der Zucht von Vollblütern?

Alain de Royer-Dupré: Neun Jahre lang habe ich Pferde gezüchtet. In dieser Lebensphase war ich ungeduldig, ich glaubte, dass dies nicht schnell genug ging. Mir war der Wettbewerb wichtig. Die Zucht ist ein sehr langer Prozess und es lässt sich nicht alles in der Vollblutzucht steuern. Nach meinem Praktikum in einem Vollblutgestüt bin ich sofort Trainer geworden und habe zunächst  Hindernis-Pferde trainiert, dann aber in zunehmendem Maße Galopper für Flachrennen vorbereitet.

GaloppOnline.de: Sie haben zweimal den Prix de l’Arc de Triomphe gewonnen. Das erste Mal mit Dalakhani im Jahr 2003 und dann mit Zarkava in 2008. Im vergangenen Oktober ist ihre Stute Dolniya als Fünfte durchs Ziel gekommen. Waren Sie mit ihrer Leistung zufrieden?

Alain de Royer-Dupré: Ich wusste, dass sie noch nicht ausgereift und hart genug für solch eine schwere Aufgabe war. Daher waren wir sehr zufrieden mit ihrem fünften Platz. Wir werden die Stute für eine Vierjährigen-Kampagne  im Training behalten. Vielleicht wird sie dieses Frühjahr im Dubai Sheema Classic an den Start gehen. Der Grand Prix de Saint-Cloud, die Yorkshire Oaks und erneut  der  Prix de l‘Arc de Triomphe könnten weitere Ziele sein.

GaloppOnline.de: Bleiben wir beim Prix de l’Arc de Triomphe 2014. Trêve hat eine außerordentliche Leistung erzielt, indem sie den Arc zweimal hintereinander gewonnen hat. Waren Sie überrascht,  dass sie wieder gesiegt hat?

Alain de Royer-Dupré: Trêve ist eine großartige Stute. Leider hatte sie im vergangenen Jahr einige gesundheitliche Probleme. Im Arc war sie definitiv in einer guten Verfassung. Zudem war die Bahn weich, daher war sie eine gefährliche und ernstzunehmende Kontrahentin. Wissen Sie, das sind eben die Klasse-Pferde. Sie haben dieses gewisse Etwas, aber man muss auf ihre Gesundheit und Physis achtgeben.

GaloppOnline.de: In Ihrer Karriere haben Sie nicht nur zwei „Arcs“ gewonnen, sondern auch 80 Gruppe I-Rennen. Was ist Ihr Schlüssel zum Erfolg und zu dieser Kontinuität?

Alain de Royer-Dupré: Es gibt kein Geheimnis. Die wichtigste Sache ist, dass die Grundlagen immer stimmen. Es betrifft die Gesundheit, die Ernährung und so weiter. Doch für den Rest macht die Klasse der Pferde den Unterschied. Es ist wie beim Klavierspielen. Zuerst muss man die Tonleiter lernen und beherrschen.

GaloppOnline.de: Seit dreißig Jahren gehören Sie zu den besten Trainern in Frankreich sowie in der Welt. Verspüren Sie Druck?

Alain de Royer-Dupré: Nein, ich empfinde keinen Druck. Es ist sehr schlecht, unter Druck zu arbeiten. Natürlich gibt es immer den Wunsch, die Besitzer zufriedenzustellen.

GaloppOnline.de: Seit den 80er Jahren sind Sie mit seiner Hoheit dem Aga Khan verbunden. Gibt es andere Besitzer, mit denen sind Sie ebenfalls schon länger arbeiten?

Alain de Royer-Dupré: Ja klar. Es gibt die Marquesa de Moratalla und das Haras de Vieux-Pont, für das ich Reliable Man trainiert habe, der das französische Derby für mich gewonnen hat. Er steht jetzt in Deutschland als Beschäler. Es ist angenehm, mit denselben Besitzern lange zu arbeiten. Das Vertrauen und die gegenseitige Wertschätzung verfestigen sich.

GaloppOnline.de: Sprechen wir einmal über die Saison 2014. Ein Höhepunkt: Sie haben mit Vazira zum sechsten Mal den Prix Saint-Alary (Gruppe I) gewonnen. Was ist Ihr Resümee für 2014?

Alain de Royer-Dupré: 2014 war ein sehr kompliziertes  Jahr. Wie hatten einige gute Teilnehmer für Listen-, Gruppe III-  oder Gruppe II-Rennen, aber wir hatten keine Gruppe I-Pferde im Stall.

GaloppOnline.de: Mit welchen Perspektiven fangen Sie das neues Jahr an? Haben Sie einige besondere Hoffnungen?

Alain de Royer-Dupré:  Bei den Dreijährigen haben wir einen starken Anteil an Stuten. Natürlich gibt es auch die vierjährige Dolniya, über die wir schon sprachen. Bei den Hengsten kann ich noch nichts Genaues sagen. Es ist schwer. Wir werden sehen.

GaloppOnline.de: Apropos Hengste, Sie trainieren momentan Zarkavas drittes Produkt, Zarkar (Galileo). Was ist Ihr Eindruck von diesem dreijährigen Hengst mit einem so hoffnungsvollen Pedigree?

Alain de Royer-Dupré:  Er ist ein starker Typ, der sich gut bewegt. Ich habe einen guten Eindruck von ihm und mag ihn gern. Ich habe noch ein anderes Zarkava-Produkt von Dubawi, das erst seit kurzem in meinem Quartier ist. Er ist zwei Jahre alt,  auch er gefällt mir ausgesprochen gut.

GaloppOnline.de: Aus derselben Familie trainierten Sie auch Zarkavas Halbschwester Zarshana. Was halten Sie von ihren Perspektiven?

Alain de Royer-Dupré: Ich denke, dass sie eine gute Zuchtstute werden wird. Sie hatte viel Talent auf Gruppe III – und Gruppe II-Niveau, doch für Gruppe I hat es nicht gereicht. Sie hat ihre Rennlaufbahn Ende  letzten Jahres beendet.

GaloppOnline.de: Sie trainieren einige Pferde für Jürgen Winter, den Besitzer des Haras de la Pérelle. Eine von seinen Stuten, Cladocera, hat ihre Karriere vergangenes

Alain de Royer-Dupré: Jahr mit einem Sieg begonnen und danach in einem Listenrennen (Prix des Lillas) gesiegt. Was halten Sie von ihr? Sie war spät, hat sich aber am Ende des Jahres gut verbessert. Ich glaube, dass sie ein Grupperennen in Europa gewinnen kann. Momentan ist sie in Dubai und hat  dort letzte Woche das Cap Verdi (Gr.II, 1600 Meter) überlegen gewonnen. Eine sehr schöne und veranlagte Stute.

GaloppOnline.de: Danedreams Halbschwester, Débutante, hat letztes Jahr debütiert.  Sie ist Ende der Saison Dritte in einem Listenrennen geworden. Wird sie bald laufen und wieviel Potential hat sie?

Alain de Royer-Dupré:  Letztes Jahr hatte sie einige gesundheitliche Probleme, deswegen ist sie nicht viel gelaufen. Ihr dritter Listenplatz hat uns gezeigt, was sie drauf hat. Ich habe viele Erwartungen an diese Stute. Aber im Gegensatz zu Danedream ist sie eine 1.600-Meter- oder 2.000-Meter-Stute.

GaloppOnline.de: In Deutschland haben Sie zwei große Prüfungen auf Gruppe I-Niveau gewonnen. Den Preis von Europa mit Sumayr im Jahr 1985 und sechs Jahre später das Bayerisches Zuchtrennen mit Kartajana. Welche Erinnerungen  haben diese Siege bei Ihnen hinterlassen?

Alain de Royer-Dupré:  Ich behalte diese Erfolge in guter Erinnerung. Einige Monate zuvor hatte Sumayr schon ein Gruppe I-Rennen, den Grand Prix de Paris, gewonnen. Er führte damals von Start bis ins Ziel. In Köln war es anders. Das  Rennen wurde sehr schnell gelaufen, in der Anfangsphase war der Hengst  hinter allen anderen Teilnehmern. Doch dann hat er zügig Boden gutgemacht und gewonnen. Der Preis von Europa ist ein besonderes Rennen. Ich erinnere mich auch noch gut an das Bayerische Zuchtrennen. Am Tag zuvor hatte es den ganzen Tag geregnet. Doch am Veranstaltungstag schien die Sonne. Die Stute hat leicht gesiegt. Davor hatte auch sie bereits ein Gruppe I-Rennen gewonnen, den Prix Ganay.

GaloppOnline.de: Sie haben unterschiedliche Eindrücke in Frankreich und Deutschland gesammelt. Was sind die Unterschiede zwischen den französischen und den deutschen Rennen? Gibt es etwas, das Sie vorziehen oder nicht mögen?

Alain de Royer-Dupré: Was ich in Deutschland gern mag ist, dass die Galopprennbahnen selektiver sind als in Frankreich. Das beste Pferd gewinnt zumeist, und das ist gut so. Ich mag halt auch gern die Pferderennbahnen mit langen geraden Linien. Zum Beispiel gibt es in Köln eine tolle Linienführung. Aber es existieren in Deutschland auch einige Rennbahnen, die zu viele Kurven haben. Ich habe keine Lust, mit meinne Pferden auf solchen Bahnen zu starten.

GaloppOnline.de: Eine letzte Frage zum Trainer-Streik in Frankreich. Im Dezember hatten einige Ihrer Berufskollegen, angeführt von Mathieu Boutin, gegen France-Galop protestiert. Diese wehrten sich besonders gegen die Einfrierung eines Teils der Vergütungen. Was denken Sie über diese aktuellen Ereignisse? Sind Sie einverstanden?

Alain de Royer-Dupré: In Europa haben viele Länder unter dem Absturz des Wettumsatzes gelitten. Das ist der Fall in Belgien, Deutschland und Italien. Ich glaube, dass wir in Frankreich eine sehr komfortable Situation haben, die viele Vorteile mit sich bringt. Das System funktioniert noch ziemlich gut. Ich verstehe die Ängste meine Kollegen, aber ich glaube, dass es nicht die Lösung ist, zu streiken und den Start der Veranstaltung zu verzögern. Ich bin nicht dafür zu streiken.

(11.02.2015)