Interview/Jockey Talks

Alexander Pietsch

GaloppOnline.de: 47 Siege waren es für Sie in der vergangenen Saison. Sind Sie damit zufrieden?

Alexander Pietsch: Durch die Verletzung, die ich mir Anfang des Jahres zugezogen hatte, wurde ich in der Saison schon zurückgeworfen und konnte erst im Juni so richtig einsteigen. Aber im Großen und Ganzen bin ich mit der letzten Saison sehr zufrieden.

GaloppOnline.de: Sie sprechen die Verletzung an. In der Morgenarbeit haben Sie sich das Schulterblatt gebrochen. Ohne die lange Pause wäre sicherlich noch der eine oder andere Sieg mehr drin gewesen?

Alexander Pietsch: Ganz klar. So eine Verletzung wirft einen nach einem guten Saisonstart auch mental zurück.

GaloppOnline.de: Behindert Sie die verletzte Stelle noch in irgendeiner Weise?

Alexander Pietsch: Nein, in keiner Weise. Das ist jetzt alles ausgestanden.

GaloppOnline.de: Ein Highlight im vergangenen Jahr dürfte der Gruppe III-Sieg auf Flamingo Star im Prix Perth gewesen sein?

Alexander Pietsch: Das kann man schon so sagen. Ein Gruppe-Sieg in Frankreich ist natürlich immer etwas ganz Besonders. Zumal es mein erster war.

GaloppOnline.de: Schade, dass Flamingo Star nach Australien verkauft wurde. Er hätte bestimmt auch in Deutschland noch den einen oder anderen Big Point landen können?

Alexander Pietsch: Ich hatte das Gefühl, dass er mit dem Alter immer besser wird. Ob er in Australien als Spezialist für weichen Boden zurechtkommt, weiß ich nicht. Aber ich denke, man wollte ihn auch nach Australien holen, weil er als Zweijähriger Protectionist, der ja den Melbourne Cup gewonnen hat, besiegen konnte.

GaloppOnline.de: Auch der Erfolg mit Future Security im Großen Preis von St. Moritz war ein Höhepunkt.

Alexander Pietsch: Der Sieg im Grand Prix war vor meiner Verletzung und ein guter Start in die Saison. Weitere Höhepunkte in der letzten Saison waren aber auch die Gruppe I-Platzierungen mit Night Wish (Anm.d.Red. Night Wish wurde im Preis von Europa und im Großen Preis von Baden Dritter).

GaloppOnline.de: Werden Sie auch in diesem Jahr wieder nach St. Moritz reisen?

Alexander Pietsch: Wenn St. Moritz stattfindet, dann werde ich auch wieder dabei sein. Aber man weiß ja nie. Es gibt viele Faktoren, die dort eine Rolle spielen. Schon im letzten Jahr gab es dort Probleme mit den milden Temperaturen.

GaloppOnline.de: Worin liegt der Unterschied bei einem Rennen auf Schnee?

Alexander Pietsch: Einen großartigen Unterschied gibt es eigentlich gar nicht. Es ist wie eine Mischung aus Sand und Gras, wobei auch der Schnee unterschiedlich sein kann. Er kann schnell, aber bei Tauwetter auch tief sein. In erster Linie braucht man ein Pferd, das mit dem Schnee auf Anhieb klarkommt. Üben kann man diese Rennen ja nirgendwo

GaloppOnline.de: In diesem Jahr stehen Sie bereits bei sieben Siegen, zwei davon in Mons. Ein schlechter Start ins Jahr sieht anders aus?

Alexander Pietsch: Natürlich bin ich zufrieden. Solch ein Start motiviert, und im Winter ist es nicht unbedingt leicht gute Ritte zu erhalten. Von mir aus kann es so weitergehen.

GaloppOnline.de: Es war Streichung für das Deutsche Derby. Waldemar Hickst, für den Sie arbeiten, hat mit Mister Universum und Novano noch zwei Pferde im Rennen. Was kann über diese beiden Pferde sagen? Erwarten Sie einen oder gar beide im Derby?

Alexander Pietsch: Da muss man vorsichtig sein und sehen, wie sich die Pferde weiter entwickeln. Bis zum Derby ist es noch ein weiter Weg. Man muss natürlich auch beobachten, wie sich andere Pferde entwickeln.

GaloppOnline.de: Das Deutsche Derby haben Sie ja noch nie gewonnen. Was würde Ihnen ein Erfolg im Blauen Band bedeuten?

Alexander Pietsch: Es steht nicht an erster Stelle auf meiner Liste. Wenn es mal so sein sollte, dann wäre es eine schöne Nummer, aber das Derby ist auch in jedem Jahr wie eine Lotterie.

GaloppOnline.de: Und was bringt das Jahr 2015? Wie ist Ihre Zielsetzung?

Alexander Pietsch: Ich will Champion werden. Zweimal war ich schon ganz nahe dran. Ich erhalte am Stall von Waldemar Hickst große Unterstützung und fahre überall hin. Ich bin mir für nichts zu schade.

GaloppOnline.de: Außerdem werden Sie jetzt auch von der HFTB-Racing Agency gemanagt.

Alexander Pietsch: Das hilft natürlich. Gerade in den stressigen Sommermonaten kann ich mich jetzt noch mehr auf meine Arbeit konzentrieren und muss nicht so viel am Computer sitzen, um meine Ritte zu organisieren. Durch die HFTB-Racing Agency erhalte ich natürlich auch Ritte, zum Beispiel auf Pferden von Darius Racing.

GaloppOnline.de: Am Stall von Waldemar Hickst gab es vor einiger Zeit ein Veränderung. Stephen Hellyn ist dort jetzt als Jockey für die Pferde von Klaus Hofmann beschäftigt. Ändert sich für Sie dadurch etwas?

Alexander Pietsch: Nein. Wie gesagt, ich erhalte große Unterstützung von Waldemar Hickst. Bei ihm stehen einhundert Pferde. Und ich kann sie ja nicht alle selbst reiten, gerade wenn auf zwei Bahnen parallel geritten wird. Außerdem kann ich auch nicht die niedrigen Gewichte reiten. Es ändert sich also nichts für mich.

(26.01.2015)