Interview/Jockey Talks

Guido Schmitt und Christian Sundermann

GaloppOnline.de: Wie kam es zu der neuen Idee einer ganzen Match Race-Serie?

Guido Schmitt: Wer live dabei war, hat die spezielle Stimmung beim Rennen wahrgenommen. Das Publikum ist förmlich ausgerastet, als die Pferde die Gerade hoch sprinteten. Da wurde allen handelnden Personen klar, dass dies kein Einmal-Event gewesen sein durfte.
Christian Sundermann: Im Nachgang zu dem wirklich tollen Event wurden wir von vielen Seiten angesprochen, ob wir das bitte noch einmal machen könnten. Das hielt ich in dieser speziellen Form nicht für dauerhaft attraktiv. „Goomy“ gegen Ach was war ein gelungener Versuchsballon, nun starten wir ein Luftschiff.

GaloppOnline.de: Was meinen Sie, was genau die Galopp-Fans an einem Match-Race fasziniert?

Schmitt: Das Match Race ist die Urform des Rennens. Einer gegen einen anderen, da gibt es keine Ausreden, keinen schlechten Rennverlauf, keine schlechte Startbox. Und nicht ganz unwichtig ist,  dass ca. jeder zweite Wetter den Sieger auf dem Schein hat und sein Pferd auch ständig im Blickfeld haben kann, was die Stimmung zusätzlich anheizt. Oder was denken Sie, wie viele Zuschauer den Sieger gewettet haben bei einem Handicap mit fünfzehn Startern?
Sundermann: Eine klare und einfache Formel: Einer gegen einen, Pferd gegen Pferd, Jockey gegen Jockey und Sieg oder Niederlage, da gibt‘s nichts dazwischen.

GaloppOnline.de: Warum Hoppegarten?

Schmitt: Ganz kurz und einfach: Eine absolute Top-Bahn, die mit Gerhard Schöningh einen modern denkenden Eigentümer hat. Mit solchen Leuten kann man auf Zuruf zusammenarbeiten. Berlin ist eine super Stadt, so dass sich ein Ausflug zum Match Race Cup nicht nur für jeden Turf-Enthusiasten mehr als lohnt.
Sundermann: Hoppegarten hat mit der Geraden Bahn für Sprintrennen einfach die besten Bedingungen. Außerdem war im vergangenen Jahr die Begeisterung der Berliner Zuschauer einfach phänomenal.

GaloppOnline.de: Wie lautet der genaue Austragungsmodus, und wie beurteilt das Direktorium die Idee?

Sundermann: Der Austragungsmodus wird detailliert in der Ausschreibung erläutert. In Kürze: Wie im DFB-Pokal werden die Paarungen der Gegner öffentlich ausgelost. Wir starten den Cup mit acht Pferden, die unter leicht modifizierten Handicap-Bedingungen gegeneinander auf der 1200-Meter-Strecke antreten werden. Der jeweilige Sieger kommt weiter, der Verlierer scheidet aus. Dann werden die beiden Halbfinal-Läufe ausgelost. Die beiden Gewinner bestreiten dann das Finale, die Verlierer sollten ursprünglich zuvor um Platz drei antreten. Das Rennen um Platz drei haben wir allerdings inzwischen gestrichen, weil am Finaltag die volle Aufmerksamkeit einzig auf dem Cup-Finale liegen soll. Das Preisgeld von 40.000 Euro bleibt aber in der Summe. Wir werden die Dotierungen im Viertel- und Halbfinale entsprechend erhöhen. Der Cup Sieger erhält 18.500 Euro von insgesamt 40.000 Euro Preisgeld. Das Direktorium hat mitgewirkt an der Konzeption und sieht den Cup positiv.

GaloppOnline.de: Gibt es auch diesmal wieder eine Facebook-Seite wie „The Match-Race“ 2015?

Sundermann: Wir behalten die Facebook-Seite „The Match Race“ bei, erstellen also keine neue Facebook-Seite. Der Auftritt bekommt ein Facelifting und wird an das Event angepasst. Lasst Euch überraschen!

GaloppOnline.de: Mit der pferdewetten.de AG ist wieder der gleiche Sponsor an Bord?

Schmitt: Hier gilt das Gleiche wie für Hoppegarten – gute Leute, mit denen man auf kurzem Weg unbürokratisch und professionell zusammenarbeiten kann. Ich denke, das erste Match Race war mit seiner gigantischen Medienwirksamkeit auch für den Sponsor ein voller Erfolg, was offensichtlich leider nicht bei jedem Sponsoring der Fall ist. Pferdewetten.de zieht engagiert mit, hat den Cup großzügig dotiert und wird sich sicherlich ein paar coole Wetten begleitend einfallen lassen.

GaloppOnline.de: Match Race Cup. Wer den gewinnt, bekommt sicherlich einen adäquaten Ehrenpreis, oder?

Schmitt: Ich denke da wie so einige Besitzer, die schon viele Teller im Schrank stehen haben. Das Geheimnis um den Ehrenpreis wird bald gelüftet, aber so viel vorab: Besitzer oder Besitzerin des Siegers sollten körperlich sehr fit sein, wenn Sie den Cup auf dem Siegerpodest hochwuchten möchten.
Werden Sie persönlich auch Pferde nennen?

Sundermann: Im Moment bin ich leider pferdelos, habe noch keinen Nachfolger für Ach was gefunden Also werde ich Guidos Starter anfeuern, so gut es geht. Vielleicht kann ich ja 2017 mit einem Starter vom Stall „Wo laufen Sie denn“ antreten, wenn der 2016er Cup eine Fortsetzung finden sollte und mir bis dahin ein akzeptables Pferd zuläuft. Mir wurden dauernd Pferde mit unpassenden Namen angeboten - ein Ding der Unmöglichkeit, die kann ich nun wirklich nicht kaufen.
Schmitt: Mit Jasnin von Waldemar Hickst und Goomy bei Mario Hofer habe ich zwei schnelle Pferde und werde kurzfristig entscheiden wer antritt.

GaloppOnline.de: ist bislang die Resonanz der Trainer, Jockeys und Besitzer gewesen?

Schmitt: Die Resonanz ist super. Viele sind begeistert und freuen sich schon. Einige bekannte Farben werden dort antreten. So hat beispielsweise Lucien van der Meulen bei einem Telefonat spontan einen tollen Starter zugesagt. Und mal ganz ehrlich: Wo gibt’s schon 40.000 Euro zu gewinnen, ohne im GAG Aufgewicht zu bekommen?
Sundermann: Eindeutig positiv. Harald Schneider, Racing Manager des Stalles Salzburg, hat bereits einen Starter aus München zugesagt. Ich bin gespannt, wie viele Nennungen eingehen werden und ob wir Pferde ausscheiden müssen. Aber selbst die hätten noch die Chance, als Ersatzstarter in den Cup zu kommen.

GaloppOnline.de: Was passiert, wenn ein Starter am Renntag ausfällt?

Sundermann: Dann greift die Ersatzpferd-Regelung: Im Viertelfinale können die beiden GAG-höchsten und nicht als Starter in die Match Races gekommenen Pferde als Ersatzpferde kostenfrei genannt werden. Hans Matthiessen regelt das - auch kostenerstattungsseitig - als renntechnischer Leiter für Hoppegarten. Im Halbfinale und Finale käme das gegen das dann ausfallende Pferd zuvor unterlegene Pferd zum Einsatz. Hoffen wir im sportlichen Sinne, dass diese Regelung nicht angewendet werden muss, aber wir haben in der Ausschreibung Vorsorge getroffen.

GaloppOnline.de: Es gibt auch negative oder hinterfragende Stimmen, eben gerade weil das Ganze ohne Aufgewicht im GAG sportlich fragwürdig ist. Wie begegnen Sie der Kritik?

Schmitt: Wer nichts wagt, riskiert zu viel! Im deutschen Galopprennsport haben wir viel zu viele, die nie etwas gewagt oder gar etwas Neues gemacht haben. Was den Galoppsport-Fans gefällt, kann gar nicht falsch oder fragwürdig sein. Mit einem etwas moderneren Denken vor einigen Jahren besonders in Bezug auf neue Medien wäre der Galoppsport in Deutschland heute gesund und eigenständig.

GaloppOnline.de: Wie sieht es mit den Siegen und der Gewinnsumme aus? Werden diese für die Championate gewertet oder erscheinen im Pedigree einer Stute? Erhalten Trainer und Jockey Prozente?

Sundermann: Dies geht aus der Ausschreibung hervor. Die Ergebnisse des Match Race Cups werden für die Leistungsbewertung, also die Rennleistung der Pferde, nicht berücksichtigt. Auch in Statistiken für Besitzer, Züchter, Trainer und Reiter finden die Ergebnisse des Match Race Cup keine Berücksichtigung. Trainer und Jockeys erhalten die normalen Prozente und Reitgelder.

GaloppOnline.de: Wie sieht der konkrete Ablauf der Serie aus?

Sundermann: Die Viertelfinals finden alle am 12. Juni statt. Direkt nach der letzten Entscheidung werden im Absattelring in Hoppegarten die Halbfinals ausgelost, die dann am 24. Juli stattfinden werden. Das Finale wird am 13. August ausgetragen.

GaloppOnline.de: Was wünschen Sie sich persönlich für den Match Race Cup 2016?

Sundermann: Das ist leicht zu beantworten: Der Match Race Cup 2016 soll der Beginn einer wunderbaren Freundschaft aller Galoppsportinteressierten in Deutschland sein, deren Kreis wir durch diese Aktion deutlich vergrößern wollen, und die dann Jahr für Jahr zu den Austragungen des Match Race Cups pilgern werden.
Schmitt: Ich wünsche mir, dass alle diejenigen, die Galoppsport im Blut haben, am 12. Juni nach Berlin kommen werden!

(05.05.2016)