Interview/Jockey Talks

Mit Cecilia Müller

GaloppOnline.de: Sie sind eine der jüngsten Reiterinen in Deutschland und konnten schon deutlich auf sich aufmerksam machen. Aber wie sind sie eigentlich zum Rennsport gekommen?

Cecilia Müller: Da bin ich durch meinen Vater hingekommen, der ja auch bereits bei Axel Kleinkorres geritten ist und bei ihm mache ich ja nun auch meine Ausbildung. Ich bin aber zuvor unter anderem schon bei Marion Weber, Dirk Baltromei und Katja Gernreich geritten.

GaloppOnline.de: Die Leidenschaft für den Sport wurde Ihnen also in die Wiege gelegt?

Cecilia Müller: Ja auf jeden Fall. Früher bin ich auch im Stall meines Großvaters gewesen und habe erste Kontakte mit dem Reitsport gehabt.

GaloppOnline.de: Sie sprachen die Ausbildung bei Axel Kleinkorres bereits an. Wie kam der Kontakt zustande?

Cecilia Müller: Eben durch meinen Vater der bei Axel von, ich glaube, 2005-2009 tätig war.

GaloppOnline.de: Wann wird die Ausbildung beendet sein?

Cecilia Müller: Da muss ich kurz überlegen. Ich denke 2014.

GaloppOnline.de: Schildern Sie uns einmal einen ganz normalen Arbeitstag?

Cecilia Müller: Früh aufstehen ist normal. Fünf Uhr morgens ist die Regel. Ich bin eh eine Frühaufsteherin und brauche nicht viel Schlaf. Dann geht es in den Stall zum ausmisten, fünf Lots reiten und im Anschluss die Pferde versorgen. Wenn einmal der Tierarzt im Stall ist, dann geht man diesem auch zur Hand, besonders bei Pferden die vielleicht ein bisschen Schwieriger sind.

GaloppOnline.de: Also harte Arbeit, die viel Disziplin verlangt und Disziplin bei Reitern heißt auch immer auf sein Gewicht zu achten. Wenn man Sie sieht macht es nicht den Anschein, dass sie damit ein großes Problem haben?

Cecilia Müller: Nein im Gegenteil ich muss schauen, dass ich noch ein bisschen zulege. Ich war krank und habe viel Kraft gelassen. Das muss ich jetzt wieder aufholen.

GaloppOnline.de: Wie viel bringen Sie aktuell in den Sattel?

Cecilia Müller: Zurzeit sind es 43-44 Kilo. Ich möchte allerdings gerne auf 46 Kilo kommen, aber das wird bei mir schwierig genug, denn ich nehme nicht wirklich schnell zu.

GaloppOnline.de: Zwei Kilo drauf, damit wären Sie immer noch ein richtiges Leichtgewicht.

Cecilia Müller: Das stimmt. Beim ersten Cantern wog ich nur 25 Kilo. Ich durfte Speedfighter reiten. Axel Kleinkorres meinte nur, ich könnte ruhig noch einen Sack Hafer mitnehmen.

GaloppOnline.de: Kommen wir zurück zur aktuellen Situation. Die harte Arbeit zahlt sich mehr und mehr aus und Sie ernten die Früchte. Im letzten Jahr siegten Sie drei Mal, 2012 stehen Sie bereits bei acht Saisonerfolgen. Haben sie damit wirklich gerechnet?

Cecilia Müller: Nein auf gar keinen Fall. Das fing schon mit den beiden Siegen mit Mariston im letzten Jahr an. Die haben mich schon sehr überrascht. Zumal er nicht ganz unkompliziert ist. Wenn ich mich im Führring auf ihn setze legt er einen Knopf um und ist nicht mehr der Selbe. Erst in der Startmaschine beruhigt er sich und ist dann völlig problemlos zu reiten.

GaloppOnline.de: Mit dem Außenseiter Drax gab es dann auch den ersten Grasbahnerfolg in dieser Saison in Köln? Was war das für ein Gefühl?

Cecilia Müller: Auch das hat mich wirklich überrascht. Aber als er auf der Geraden anzog, dachte ich nur „den kriegen wir noch und den auch noch und dann hatten wir gewonnen.“

GaloppOnline.de: Bleiben wir beim Thema Grasbahn-Saison. Die etablierten Jockeys sind alle wieder an Bord. Haben Sie sich auf diese Zusammentreffen gefreut?

Cecilia Müller: In gewisser Weise schon. Es ist natürlich eine große Herausforderung mit diesen Reitern mitzuhalten und man muss noch härter arbeiten, um nicht von der Bildfläche zu verschwinden. Ich würde gerne noch etwas länger im oberen Teil der Statistik bleiben.

GaloppOnline.de: Gibt es Vorbilder für Sie unter den Top-Reitern?

Cecilia Müller: Andrasch Starke und Eduardo Pedroza sind schon sehr gute Jockeys.

GaloppOnline.de: Lassen Sie sich Tipps geben, beziehungsweise schaut man sich das Ein oder Andere ab?

Cecilia Müller: Bei Andrasch Starke schaue ich schon genauer hin, besonders wie er vorwärts reitet, dass ist ziemlich wichtig. Tipps erhalte ich aber keine. Ich versuche natürlich auch meinen eigenen Stil zu finden.

GaloppOnline.de: Und bei den Vierbeinern. Haben Sie da einen Favoriten? Stichwort Mariston, den Sie bereits ansprachen und mit dem Sie bislang vier Mal siegen konnten?

Cecilia Müller: Mariston ist schon einer meiner Lieblinge, trotz der erwähnten Schwierigkeiten, die man mit ihm haben kann. An erster Stelle steht bei mir aber Barbakan. Auch Tees and Cees mag ich sehr gerne.

GaloppOnline.de: Und welches Pferd würden Sie gerne einmal im Rennen reiten?

Cecilia Müller: Das ist eine schwierige Frage, da fällt mir spontan eigentlich nichts ein. Vielleicht wäre es Ruvano gewesen, der ist allerdings nicht mehr aktiv.

GaloppOnline.de: Am 4. April sollten Sie Ihr erstes Engagement im Ausland bestreiten. Sie waren für den Ritt auf dem von Sascha Smrczek trainierten Lacado in einem Reclamer in Saint-Cloud vorgesehen. Warum konnten Sie dieses Engagement nicht annehmen?

Cecilia Müller: Ich habe keinen Führerschein. Es ist also einfach dran gescheitert, dass ich keine Möglichkeit hatte nach Frankreich zu kommen.

GaloppOnline.de: Sollen dennoch Engagements im Ausland folgen?

Cecilia Müller: Die Termine plant der Trainer, da habe ich keinen wirklichen Einfluss drauf, aber es wäre schön mal im Ausland zu reiten.

GaloppOnline.de: Sie sprechen die Termine an. Werden die Anrufe bei Ihrem Trainer nach den jüngsten Erfolgen mehr?

Cecilia Müller: Ja, auf jeden Fall. Ich freue mich natürlich sehr darüber. Je mehr Ritte, desto besser.

GaloppOnline.de: Ist es denn nicht manchmal problematisch so ganz ohne Führerschein?

Cecilia Müller: Eigentlich nicht. Viele Bahnen liegen in der Nähe und ich fahre meistens mit meinem Vater. Das ist überhaupt kein Problem.

GaloppOnline.de: Zum Abschluss können Sie einen Blick in die Zukunft werfen. Was wünschen Sie sich für die Saison 2012?

Cecilia Müller: Wenn es geht, will ich unter die ersten zehn der Statistik kommen. Das ist natürlich harte Arbeit und noch ein weiter Weg. Ansonsten möchte ich so viele Einsätze wie möglich haben.

(05.04.2012)