Interview/Jockey Talks

Mit H.-H. Miebach

GaloppOnline.de: Weshalb wollten Sie unbedingt mit Rosenreihe im Preis der Diana laufen?

Hans-Hugo Miebach: Herr Jörg und ich waren der Meinung, dass ein schnelles Pferd wie Rosenreihe auch zumindest einmal über den Weg kommen kann, Außerdem hat die Stute enormen Speed. Man kann diesen am Anfang schon verbrettern und sie abspulen lassen, dann hätte sie nach 1200 Metern ausgespielt. Oder man geht so vor, wie das Andrasch Starke genial vorgetragen hat, und speichert unterwegs die Kräfte, um sie am Schluss auszuspielen. Das war schon phänomenal. Hut ab, er hat das Konzept, das auch Herr Schiergen mit ihm diskutiert hat, phänomenal umgesetzt.

GaloppOnline.de: Wie schwierig war es denn überhaupt, nach dem Ausfall von Goose Bay Andrasch Starke als Reiter zu bekommen?

Hans-Hugo Miebach: Das ging relativ gut. Ich habe gesagt, er ist Stalljockey und wir haben das Pferd mit dem höchsten GA aus dem Schiergen-Stall. Für uns hat er alle drei Diana-Siegerinnen zuvor geritten. Da hat er zu mir gesagt, selbstverständlich, Herr Miebach, reite ich Rosenreihe.

GaloppOnline.de: Wie hoch schätzen Sie Starkes Leistung ein?

Hans-Hugo Miebach: Er hatte den wesentlichen Anteil am Erfolg. Denn er musste alles umsetzen. Unterwegs habe ich gedacht, das wird nichts, denn er hat Rosenreihe so weit zurückgenommen. Aber er meinte später, dass gerade der große Abstand zum Feld der Stute viel Ruhe gegeben habe. Im Endkampf gab es etwas Trouble, das tut mir für einige Gegnerinnen, die gestört wurden, leid. Aber so ist das nun einmal in einem großen Feld.

GaloppOnline.de: War es für Sie der bislang überraschendste Diana-Sieg?

Hans-Hugo Miebach: Der liebe Gott hat ein Einsehen mit uns gehabt. Im Frühjahr ging Next Gina ein, das war ein herber Verlust. Zum Glück haben wir einige Töchter von ihr. Da war der Sieg nun ausgleichende Gerechtigkeit. Am überraschensten war der erste Sieg. La Blue hatte die 1000 Guineas gewonnen, dann holte sich Night Petticoat den Preis der Diana.

Elle Danzig war auch etwas unerwartet, denn im Stall hatte man eine andere Stute lange für besser gehalten. Bei dem Sieg von Next Gina hat Andrasch Starke ebenfalls eine Meisterleistung gezeigt, er hat die Stute damals bei dem Wahnsinnsregen so offensiv wie Next Desert beim Derbysieg geritten. Aber der Erfolg jetzt war der aufregendste. Ich habe unterwegs nicht mehr daran geglaubt.

GaloppOnline.de: Wie waren denn Ihre Erwartungen?

Hans-Hugo Miebach: Mit ihrem GA wollten wir schon unter den ersten Fünf sein, damit Rosenreihe nicht an Renommee verliert. Damit wären wir zufrieden gewesen. Es war im Übrigen sehr befriedigend, dass die Pferde, die letztlich vorne waren, alle im GA hoch standen. Das war sportlich sehr gut.Der Ausgleicher hat also auch das Rennen gewonnen.

GaloppOnline.de: Kann man Rosenreihe mit ihren Vorgängerinnen aus Wittekindshof vergleichen?

Hans-Hugo Miebach: Ich meine ja. Am Dienstag vor dem Rennen war ich kurz in Köln am Stall von Peter Schiergen, was ich ansonsten eher selten tue. Aber inzwischen trete ich in meiner Firma auch kürzer und wollte nach dem Erfolg von Serienhoehe einmal vorbeischauen. Da habe ich am Stall Andreas Schütz getroffen, den ich lange nicht gesehen hatte. Als Peter Schiergen mir die Pferde vorgeführt hat und die eher unscheinbare Rosenreihe vorbeikam, meinte Schütz: Die ist so hart wie ihre Mutter Rosengeste. Und die kannte er ja gut. Sie war ein unglaublich hartes Rennpferd, das drei Rennzeiten stark gelaufen ist.

Gerade saß ich noch einmal vor meinem großen Fernseher und habe gesehen, dass Andrasch Starke ihr ja ein paar Schläge gezimmert hat, viermal draufgehauen hat, so etwas muss ein Pferd ja erst einmal abkönnen. Ich habe bei unseren eigenen Pferden noch nie ein so aufregendes Pferderennen erlebt.

GaloppOnline.de: Wann wurde Rosenreihes Format denn erkannt?

Hans-Hugo Miebach: Im Stall war man schon früh von ihr überzeugt. Die Frage war natürlich, ob bei so einem späten Diana-Termin die Form auch halten würde. Zwischendurch lief sie ja zweimal gegen starke Hengste. Das Dortmunder Rennen habe ich ihr nicht übel genommen, auch wenn ich schon etwas enttäuscht war.

In Frankfurt hatte Peter Schiergen schon zu Filip Minarik gesagt, er sollte sie am Anfang verhalten, aber in einem 1600-Meter-Rennen ging das nicht so gut. Sie hat zwar etwas aufgeholt, ist aber nicht mehr ganz nach vorne gekommen. Solche Rennen kosten Substanz. Dass Rosenreihe soviel Kraft für die Diana besitzen würde, war stark. Sie hat eben Klasse und Härte.

GaloppOnline.de: Wie sind Sie auf Catcher in the Rye als Vaterpferd gekommen?

Hans-Hugo Miebach: Herr Jörg macht das zusammen mit den Herren Andree und Hernan. Er sucht junge Hengste in Coolmore, die auch günstig sind. Für uns als Züchter von Tiger Hill war natürlich ein Danehill-Sohn sehr interessant. Generell glaube ich, dass deutsche Stuten und schnell gezogene ausländische Hengste gut zusammenpassen. Ihren enormen Speed hat Rosenreihe von ihrem Vater geerbt.

GaloppOnline.de: Welche Ziele haben Sie mit der Stute nun?

Hans-Hugo Miebach: Wir setzen uns noch keine Ziele, sondern geben ihr eine Pause. Eigentlich hat sie ihr Soll mehr als erfüllt und könnte nun in Ruhe in die Zucht gehen. Ob wir es noch im Ausland versuchen, weiß ich noch nicht. Vielleicht wäre sie ein Pferd für den Prix de l´ Opera, da sie sehr viel Speed hat und auch Spritzigkeit. Herr Jörg und ich hatten wegen der kurzen Pause auch etwas Bauchgrummeln vor der Diana, aber das Rennen war einfach zu reizvoll. Es ging aber auch nur mit Andrasch Starke. Man braucht einen Jockey, der alle Register ziehen kann und ein Genie ist.

GaloppOnline.de: Gibt es jüngere Geschwister von Rosenreihe?

Hans-Hugo Miebach: Wir haben eine Jährlingsstute von Next Desert namens Rosennähe. Man kann nur hoffen, eine Prognose möchte ich noch nicht abgeben.

GaloppOnline.de: Wie stark ist Wittekindshof bei der BBAG-Auktion engagiert?

Hans-Hugo Miebach: Unsere neun Hengste sind im Angebot, zwei präsentieren sich allerdings schon vorher in Deauville, wir haben diese aber auch in Baden angemeldet, da wir sie nicht unter allen Umständen in Deauville abgeben, das muss man sehen. Bei den acht Stuten wollten wir uns nicht entscheiden, deshalb haben wir alle behalten.

GaloppOnline.de: Gibt es weitere Hoffnungsträger in eigenen Farben?

Hans-Hugo Miebach: Sicherlich berechtigt die zweijährige Serienhoehe zu schönen Hoffnungen. Sie wird auf das Zukunftsrennen in Baden-Baden vorbereitet. Dann haben wir aus der Next Gina den Erstling Nina Celebre, die auch bei Peter Schiergen steht. Aus der Tiger Hill-Familie aus einer Zinaad-Stute soll eine weitere Zweijährige nicht schlecht sein.

Aus dem Jahrgang von Rosenreihe ist aus unserer Sicht Elle Gala, eine von Galileo stammende Elle Danzig-Tochter zu nennen, doch hatte sie einen Chip und war bis Anfang Juli auf der Krankenstation im Gestüt, ist erst seit vier Wochen wieder in Training. Saalewüste ist sicher keine Super-Hoffnung, hat sich aber aus einer Mutter, die nicht viel gebracht hat, sehr gut entwickelt. Salonnähe ist im Gestüt, da sie Probleme mit der Hüfte hat. Und bei Andreas Wöhler stehen zwei versprechende Zweijährige. Wir brauchen Glück wie am Sonntag.

(14.08.2008)