Interview/Jockey Talks

Mit M. Ostermann

GaloppOnline.de: Das Geschäftsführende Vorstandsmitglied des Direktoriums, Herr Engelbert Halm, ist seit einem Jahr im Amt. Wie beurteilen Sie seine Arbeit?

Manfred Ostermann: Eine grundsätzlich sehr positive Beurteilung zu Herrn Halm ergibt, dass er als Branchenfremder in unsere sehr spezielle Branche gekommen ist, sich überaus schnell eingearbeitet hat und nach kurzer Zeit schon eine sehr hohe Kompetenz erlangt hat. Herr Halm ist federführend in strategischen Gesamtbetrachtungen und auch in deren Umsetzung gewesen.

GaloppOnline.de: Schaffen Sie 2007 und 2008 einen ausgeglichenen Haushalt im Direktorium für Vollblutzucht und Rennen (DVR)?

Manfred Ostermann: Wir sind in einer Umbruchphase von der alten in die neue Struktur. Mit dieser Umbruchphase gibt es keine vergleichbaren Positionen mehr. Wenn man zum Jahresende 2008 eine Prognose mit gleichbleibenden Faktoren machen würde, so kann man bei einem gleichmäßigen Geschäftsverlauf ein leicht positives Ergebnis unterstellen.

GaloppOnline.de: Wo liegen die Schwerpunkte der Arbeit des DVR in 2008?

Manfred Ostermann: Schwerpunkt der Arbeit ist, die Umsetzung der beschlossenen Strukturreform nun zu realisieren, konkrete Maßnahmen zu beschließen und in die Tagespolitik umzusetzen. Besonders deutlich wird es an Beispielen, das markanteste soll die Betreuung von Rennveranstaltungen mit Beginn der Grünen Saison sein. Die endgültige Formulierung des wirtschaftlichen Konzepts mit der Findung des strategischen Investors oder Partners bedingt weitere Gespräche mit unterschiedlichen Interessenten.

Wir hoffen, dass wir im Laufe der nächsten Wochen hier eine konkrete Entscheidungsbasis gefunden haben. Parallel dazu laufen jetzt die Projekte zur Verbesserung der Rennveranstaltungsstruktur.

Mit Beginn der Grünen Saison am 16. März in Krefeld und am 30. März in Düsseldorf werden die vorgenannten Rennvereine von der NewCo bezüglich der Rennveranstaltungen gemanagt. Im Laufe des weiteren Jahres sollen weitere Veranstaltungen anderer Vereine auch zentral aus der neuen Gesellschaft heraus gesteuert werden, so dass wir zum Jahresende 2008 eine möglichst große Anzahl an Rennvereinen unter einem Hut haben.

GaloppOnline.de: Haben Sie den Staatsvertrag persönlich gelesen?

Manfred Ostermann: In den wichtigen Passagen ja, in der Komplexität hat der Präsident des Direktoriums, Herr Jochen Borchert, dieses umfangreiche Werk studiert und für den Gesamtvorstand des Direktoriums ein Resumee verfasst. Sinnvollerweise sollte Herr Borchert auch über alle Details berichten.

GaloppOnline.de: Was hat der Vertrag für Konsequenzen oder Chancen für die Pferdewette?

Manfred Ostermann: In kurzen Worten ergeben sich erhebliche strategische Chancen auf vertrieblicher Seite.

GaloppOnline.de: Welche Rolle spielt die Betriebsgesellschaft Galopp (BGG) weiterhin?

Manfred Ostermann: Die BGG wird von dem Neusser Präsidenten, Herrn Jan Anthony Vogel, als Präsident geleitet. Sie ist eine tragende Säule des deutschen Galopprennsports und wird dies auch mit der Strukturreform bleiben. Sie ist der Zusammenschluss der wesentlichen Rennvereine. Im Rahmen ihrer Organisation werden wichtige grundsätzliche Fragen und Fragen des Tagesgeschäfts auch weiterhin über sie abgewickelt werden.

GaloppOnline.de: Durch den zeitlichen Verzug haben bisher keine Gespräche mit den Buchmacherverbänden stattgefunden. Ab wann kann wieder verhandelt werden?

Manfred Ostermann: Es sind mehrere Gespräche mit den einzelnen Buchmacherverbänden erfolgt, auch schon im Laufe des Jahres 2007. Aus diesen Gesprächen heraus resultiert eine konkrete Vereinbarung, die besagt, dass nach wie vor alle Buchmacherläden bis zum 31.3.2008 weiterhin mit den TV-Bildern des deutschen Galopprennsports beliefert werden. In der Zwischenzeit werden weitere Sondierungen mit den Buchmachern geführt.

GaloppOnline.de: Wer wird die Verhandlungen durchführen, Herr Halm?

Manfred Ostermann: Hierzu ist bereits vor geraumer Zeit ein Verhandlungsgremium gebildet worden. Die Leitung liegt in der Hand von Herrn Baum. Herr Halm, Herr Vogel und meine Person werden fallweise in die Gespräche einbezogen.

GaloppOnline.de: Welche Aktivitäten werden zur Kommunikation vorbereitet?

Manfred Ostermann: Im Rahmen des Marketingmix kommt der PR-Kommunikation eine wesentliche Rolle zu. Hier sind deutliche Defizite aus der Vergangenheit festzustellen. Ein Arbeitskreis Marketing hat die wichtigen Ziele formuliert, um den Außenauftritt des deutschen Rennsports deutlichst und kurzfristig zu verbessern. Hiervon können wir in naher Zeit konkreter berichten.

GaloppOnline.de: Wie kommen Sie mit der doppelten Belastung Direktorium/Besitzervereinigung zurecht, das hört sich nach einem Fulltime-Job an?

Manfred Ostermann: Tatsächlich ist es kein Fulltime-Job, obwohl ich mich im Augenblick mit den Belangen des Direktoriums und der Besitzervereinigung täglich ausein­andersetzen muss. Mein persönlicher Vorteil ist, dass im Direktorium mit Herrn Halm und im Rahmen der Besitzervereinigung mit Herrn Tiedtke zwei exzellente Mitarbeiter zur Verfügung stehen.Darüber hinaus gibt es ausgesprochen konstruktive Arbeit im Vorstand der Besitzervereinigung und des Direktoriums, die das ein oder andere doch erheblich erleichtern. Insgesamt eine konstruktive Teamarbeit.

GaloppOnline.de: Wer sind die Highlights aus ihrem Lot für die Bigpoints?

Manfred Ostermann: Wenn man nach der Altersstruktur geht, sind dies Axxos und First Stream bei den Vierjährigen. Beide sind aktuelle Gruppe-I-Pferde und für beide haben wir ein großes internationales Programm geplant. Auch Lauro, der jetzt bei Andreas Wöhler steht, wird wieder große Aufgaben ansteuern. Bei den Dreijährigen tragen Pomellato und Love Academy allerhöchste Hoffnungen. Darüber hinaus haben wir noch einige dunkle Dreijährige aus unserem Team, die nur einmal oder noch gar nicht angetreten sind. Da denke ich vor allem an Scolari, einen Monsun-Sohn, und an Hilfiger, einen Lando-Nachkommen aus einer Gruppe- I-Siegerin.

GaloppOnline.de: Wer gewinnt das Derby 08?

Manfred Ostermann: Auf keinen Fall Pomellato, obwohl er der höchsteingestufte Zweijährige in Deutschland war. Aber diese Distanz ist für ihn auf jeden Fall zu weit. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass der Derbysieger von 2008 im Jahr 2007 noch nicht gelaufen ist. Ich habe aus vielen Ställen noch nicht die echten Steher gesehen, die man für einen Derbysieg benötigt. Den Derbysieger werden wir in den Monaten März oder April in einem adäquaten Maidenrennen erleben...

(08.02.2008)