Interview/Jockey Talks

Mit Matthiessen

GaloppOnline.de: Wie fällt Ihr erstes Fazit aus?

Matthiessen: Natürlich bin ich nicht zufrieden, dass uns beim Bahnumsatz ein gutes Stück fehlt. Aber die Gesamtzahlen sehen im Vergleich mit den bundesdeutschen Zahlen richtig ordentlich aus. Es gibt keinen Zweifel, die Rennen haben ihre Berechtigung.

GaloppOnline.de: Enorm waren die Starterzahlen.

Matthiessen: Wir machen nicht nur Rennen, um entsprechende Umsätze zu erzielen. Es ist von Bedeutung, dass Rennen überhaupt stattfinden. Unsere Hauptaufgabe ist, zu gewährleisten, dass regelmäßig Prüfungen ausgetragen werden. Bei den Aktiven ist dieses Bedürfnis da. Gerne hätten wir etwas höhere Rennpreise. Für viele Aktive ist es von existenzieller Bedeutung, dass auch wieder etwas hereinkommt und bei den Besitzern nicht nur Rechnungen landen.

Einige renntechnische Änderungen, die wir in die Wege geleitet haben, waren sinnvoll. Beispielsweise das Sandbahnhandicap, die Nicht-Anrechnung von Siegen auf der Grasbahn. Für die Wetter ist es doch auch interessant, dass ein Pferd, das drei Rennen auf Sand gewonnen hat, auf Gras mit einer günstigen Marke antritt und mit seiner frischen Form nicht chancenlos ist.

GaloppOnline.de: Einige Termine im Januar und Februar waren fast schon wieder gestrichen. Nun werden sie doch durchgeführt.

Matthiessen: Kein Rennverein will ein Risiko eingehen. Es sind Zuschüsse erforderlich. Ohne diese sind solche Veranstaltungen nicht durchführbar. Beteiligt sind im Winter an der Finanzierung unter anderem die Besitzervereinigung, die BGG, der Deutsche Sportverlag.

Bekanntlich ist die BGG der Zusammenschluss der Rennvereine. Wir haben da sehr transparent diskutiert. Es war sicher falsch zu sagen, diese Rennen würden nicht stattfinden. Die Frage war einfach, was können wir anbieten, was ist sinnvoll? Ich muss da der Besitzervereinigung ein Kompliment machen.

GaloppOnline.de: Wie schwierig gestaltet sich die Finanzierung?

Matthiessen: Sponsoren bekommt man für Renntage im Winter kaum. Sie lassen sich zu dieser Jahreszeit schwer begeistern. Wir haben zwar zwei Allwetterbahnen, aber sie müssen auf Dauer einfach wetterfest werden. Wir brauchen einen Komfort, die Leute müssen drinnen sitzen können, wie auf einer Trabrennbahn. Man kann nicht erwarten, dass die Menschen viereinhalb oder fünf Stunden draußen herumlaufen bei den kalten Temperaturen.

Mein Traum ist zudem ein Geläuf wie in Deauville, davon hätten die Pferde einiges. Aber das ist natürlich Zukunftsmusik. Ich wünschte mir auch eine Sandbahn, die direkt am Publikum vorbeiführt, ohne eine Grasbahn dazwischen. Warum sollte es nicht eine reine Sand-Piste in Neuss oder Dortmund geben?

GaloppOnline.de: Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Rennvereinen?

Matthiessen: Gut bis ausgezeichnet. Veranstalter sind nach wie vor Neuss und Dortmund, aber wir von der BGG übernehmen die Unterdeckung. Die Vereinbarung, die im Jahr zuvor galt, war zu teuer. Jetzt haben wir das Recht, jede Kostenposition in Frage zu stellen. Die BGG schaut sich alles an, was passiert, gibt dann auch entsprechende Anweisungen, ob ein Zielrichter zum Beispiel nur noch dreiviertel seiner bisherigen Summe bekommt, um ein Beispiel zu nennen. Acht Starthelfer brauchen wir allerdings auch weiterhin.

Wir haben die Kosten reduziert, in dem kein Rennprogramm mehr angeboten wird. Das bringt drei- bis viertausend Euro. Der Rennverein legt uns alle Posten zur Prüfung vor. Man muss da von Gewohnheiten abgehen, wenn die Pfründe kleiner werden. Die Alternative ist, dass es keine Rennen mehr im Winter gibt.

GaloppOnline.de: Der Championatskampf hat die Wettlust im November und Dezember beflügelt. Nun fällt dieser Anreiz weg. Was erwarten Sie sich für Januar und Februar?

Matthiessen: Die Starterzahlen werden sicher etwas zurückgehen. Natürlich sind 14-er-Felder schön, wir hätten auch teilweise elf bis zwölf Rennen machen können. Aber etwas weniger Kandidaten sind auch kein Beinbruch. Wenn wir in etwa das Vorjahreslevel erreichen, sind wir in der Kalkulation.

Bei den Trabern fällt ein Drittel der Renntage zur Zeit aus, das wollen wir vermeiden. Gäbe es keine Sandbahnrennen, wäre am 20. November in Frankfurt der letzte Renntag gewesen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Kunden im März wiederkommen würden nach so einer langen Zeit ohne Galopprennen.

(13.01.2006)