Interview/Jockey Talks

Mit Peter Player

Peter Player, der Leiter des Whatton Manor Stud, in dem Overdose groß wurde, schildert den Werdegang des Wunderpferdes

GaloppOnline.de: Wie ist es dazugekommen, dass Overdose in Whatton Manor Stud seine erste Zeit verbrachte?

Peter Player: Wir haben seine Mutter Our Poppet auf dem Newmarket Sales für 16.000Guineas als Jährling verkauft. Der Käufer war der Newmarket-Trainer Rae Guest, der im Auftrag der Robinsons die Stute ausgesucht hatte. Sie kam auch zu ihm in Training.

Von Anfang an hatte man eine sehr hohe Meinung von ihr; am 19.Oktober 1999 lief sie keineswegs verkehrt als siebte in einem grossen Feld in Lingfield. Leider war es ihr einziger Start, kurz darauf verletzte sie sich bei der Morgenarbeit. Die Robinsons hatten sich schon in sie verliebt, deshalb die Entscheidung, mit ihr zu züchten.

Sie sind also zu uns gekommen, da wir die Familie bestens kennen, die seit vier Generation in Whatton Manor zu Hause ist, mit der Bitte, sie bei uns in Pension aufzunehmen. Damals haben wir die Robinsons gar nicht gekannt, jetzt sind wir die besten Freunde. Wir haben zusammen alle Entscheidungen über die Zuchtkarriere getroffen.

Our Poppet war schon eine sehr schöne Stute mit einwandfreiem Charakter, es war für uns ein Genuss, sie auf unserem Farm zu haben. Sie hat sich in der Zucht gleich bewährt. Ihr Erstling Noble Mount (von Muhtarram) gewann zwei kleine Rennen; das zweite Fohlen Poppet´s Bounty (von Bahamian Bounty) hatte anständige Formen in Frankreich, das dritte Poppet´s Sweetlove (von Foxglove) ebenso in England und ist wieder bei uns, wird wahrscheinlich 2009 von Tamayuz gedeckt. Overdose war dann das vierte Fohlen von Our Poppet.

GaloppOnline.de: Die ersten drei Produkte von Our Poppet sind alle in den Robinson-Farben gelaufen. Wieso wurde dann Overdose verkauft?

Peter Player: Ehrlich gesagt, hat uns Overdose als Fohlen nicht gefallen. Er hatte zwar ein schönes und kräftiges Hinterteil, aber sonst war er keine tolle Erscheinung. Ausserdem waren seine Vorderbeine nicht ganz korrekt. Wir waren alle der Meinung, dass er weg muss.

GaloppOnline.de: Er ging aber für nur 2.000 Guineas weg – war das nicht erstaunlich billig?

Peter Player: Im Nachhinein schon! Aber damals waren wir alle froh, ihn verkauft zu haben. Ausserdem war sein Vater Starborough als Deckhengst ein ziemlicher Flop; kein Agent oder Trainer wollte ein Pferd mit diesen Beinen und mit diesem Vater kaufen. Wir müssen den ungarischen Connections einen Riesenlob aussprechen, dass sie es geschafft haben, ein so tolles Rennpferd aus ihm zu machen. Ich weiss nicht, ob ein Trainer in England diese Erfolgsserie erreicht hätte.

GaloppOnline.de: Bedauern Sie und das Ehepaar Robinson, ihn damals so billig verkauft zu haben?

Peter Player: Überhaupt nicht! Wir freuen uns über seine Erfolge riesig. Ausserdem ist es auch für uns sehr vorteilhaft. Wir in Whatton Manor haben mehrere Stuten aus seiner direkten Verwandtschaft, auch die Robinsons haben seine ältere Schwester und auch jetzt eine zweijährige Stute von Lomitas, die sehr talentiert sein soll, eine Jährlingsstute von Dansili und ein Stutfohlen von Bertolini.

GaloppOnline.de: Ist es nicht bemerkenswert, dass Overdose so wahnsinnig schnell ist, während die Familie eher Steher bringt?

Peter Player: Das stimmt nicht ganz. Seine fünfte Mutter ist zwar die Ascot Gold Cup-Siegerin Gladness, aber die vierte Mutter Merry Mate gewann die irischen 1,000 Guineas, und in letzter Zeit gab es mehrere sehr gute Meiler aus der Linie, wie zum Beispiel Musicanna, zweimal Gruppe I-platziert über die Meile, und aktuell die gute Zweijährige Summer Fete.

GaloppOnline.de: Wie viele Rennpferde bzw Mutterstuten besitzt das Ehepaar Robinson?

Peter Player: Aktuell besitzen sie die gleichen beiden Stuten, mit denen sie angefangen haben zu züchten: Our Poppet und die listenplatzierte Lady Lindsay, die damals auch von Rae Guest ausgesucht wurde und jetzt ebenfalls bei uns zu Hause ist. Demnächst aber rücken einige Stuten ins Gestüt. Die Pferde in Training – alle aus diesen beiden Müttern -befinden sich entweder bei Andy Haynes in Südwestengland oder bei Rupert Pritchard-Gordon in Chantilly.

GaloppOnline.de: Haben Sie die Rennen von Overdose auch selbst miterlebt?

Peter Player: Leider nicht live, aber wir haben sie natürlich alle im Internet und zwar mehrmals angeschaut. Wir sind von diesem Pferd restlos begeistert, und nicht nur, weil er ein Produkt unseres Gestüts ist. Wir sind natürlich auch überzeugt, dass er den „Abbaye“ unter normalen Umständen auch gewonnen hätte. Soweit wir wissen, haben die Robinsons auch keine Rennen live gesehen. Sie sind aber mit dem Besitzer in Kontakt. Wir hoffen alle, dass Overdose 2009 in England laufen wird, dann sind wir selbstverständlich vor Ort.

GaloppOnline.de: Wissen Sie, welche Rennen für ihn in Betracht kommen?

Peter Player: Das ist natürlich nicht unsere Entscheidung, wir hoffen aber sehr, dass er im July Cup in Newmarket laufen wird. Das ist unseres Erachtens für ihn das ideale Rennen. (Red: Peter Player war auch Vorstand der Newmarket Racecourses). Bei Royal Ascot wären wir etwas skeptisch, da der Boden dort oft sehr fest wirkt, was für ihn ungünstig sein könnte.

GaloppOnline.de: Was ist Ihre Meinung zum Rennpferd Overdose?

Peter Player: Er ist tatsächlich ein Wunderpferd, ein Freak, eine Ausnahmeerscheinung. So viel natürliche Geschwindigkeit kommt bei einem Vollblüter höchst selten vor. Wir können nur seinem Besitzer und seinem Trainer gratulieren, dass sie so viele gute Arbeit mit ihm geleistet haben. Wir sind aber stolz, dass ein so tolles Pferd in Whatton Manor aufgewachsen ist.

(28.11.2008)