Interview/Jockey Talks

Mit Rikki Morse

GaloppOnline.de: Wie lange arbeiten Sie schon für Godolphin und wie sieht Ihr Job genau aus?

Rikki Morse: Seit November 2000. Ich reite die Jährlinge aus und bereite die Zweijährigen vor.

GaloppOnline.de: Für wie lange wechseln Sie mit den Pferden von Dubai nach England?

Rikki Morse: Von Mitte April bis Ende Oktober, den Rest des Jahres verbringe ich in Dubai.

GaloppOnline.de: Wie ist die Arbeit verglichen mit Deutschland, auch was den Zeitaufwand anbetrifft?

Rikki Morse: In England beginnen wir um sechs Uhr morgens, reiten bis zehn oder elf Uhr, und jeden zweiten Nachmittag arbeiten wir noch einmal von 16 bis 17 Uhr. In Dubai starten wir um 5 Uhr morgens bis zwischen neun und zehn Uhr. Auch hier sind wir alle zwei Tage noch einmal von 16 bis 17 Uhr im Einsatz.

GaloppOnline.de: Wie ist das Verhältnis zu Saeed bin Suroor?

Rikki Morse: Wir haben leider nicht viel Kontakt, da er die älteren Pferde trainiert und ich mit den jüngeren Jahrgängen zu tun habe.

GaloppOnline.de: Lässt sich Sheikh Mohammed am Stall sehen?

Rikki Morse: Er kommt sehr oft in den Stall, meistens mit seiner Frau. In England reitet er sehr oft auf seinem Pony mit uns aus. Im Übrigen spricht Sheikh Mohammed mit jedem wie ein ganz normaler Besitzer.

GaloppOnline.de: Welche Trainingsmöglichkeiten besitzt Godolphin?

Rikki Morse: Es gibt zwei Sandbahnen, eine für die jungen und eine für die älteren Pferde. Die Grasbahn steht nur für die Trials zur Verfügung.

GaloppOnline.de: Wie gefällt Ihnen das Leben in Dubai? Wo wohnen Sie, wenn Sie in England sind? Kommt ihre ganze Familie mit?

Rikki Morse: Dubai ist phantastisch. Ein Paradies für uns im Winter. In England leben wir in Newmarket, haben dort ein Haus. Die ganze Familie kommt mit. Meine Frau Katja, meine älteste Tochter Janine (7), die auch in Dubai zur Schule geht, und das Nesthäkchen Chelsea (2).

GaloppOnline.de: In Dubai sind inzwischen zahlreiche ehemalige deutsche Kollegen tätig. Können Sie uns sagen, wer sich noch hier aufhält?

Rikki Morse: Kevin Marks, der bei Andreas Löwe war, und Tom Manning, ehemals bei Uwe Ostmann, sind schon länger dabei. Markus Feck, der am Stall von Peter Lautner gearbeitet hat, hat in diesem Jahr angefangen.

GaloppOnline.de: Welche prominenten Godolphin-Pferde durften Sie bereits im Training reiten?

Rikki Morse: Da ich die Jährlinge und dann die Zweijährigen einreite, sitze ich nicht auf den prominenten älteren Pferden. Jeden Morgen reite ich Quorum, den Rekordjährling der letztjährigen BBAG-Auktion. Er macht sich sehr gut.

GaloppOnline.de: Wie sehen Sie die Perspektiven für diese Saison?

Rikki Morse: Auf alle Fälle besser als im vergangenen Jahr.

GaloppOnline.de: Haben Sie noch Kontakt zu Ihrem früheren Chef Peter Rau oder zu Kollegen in Deutschland?

Rikki Morse: Ich bin sehr faul, wenn es darum geht, Kontakte zu pflegen. Das macht eher meine Frau. Sie mailt Torsten Mundry, Andreas Suborics, und sie telefoniert mit Frau Schikora. Beide sind sehr gute Freundinnen. Wir stehen auch in Kontakt mit Neil Grant in Schweden.

GaloppOnline.de: Ihre Frau reitet auch, wo wird Sie in den Sattel steigen England/Dubai?

Rikki Morse: In England bringt sie die Kinder erst zur Schule und in den Kindergarten und reitet dann zwei Lots. In Dubai geht so etwas nicht, es gibt keine Halbtagsjobs.

GaloppOnline.de: Halten Sie sich über den Sport in Deutschland auf dem Laufenden?

Rikki Morse: Per Computer. Da meine Frau auch Rennen geritten hat und dem Sport verbunden ist, schaut sie schon öfter mal nach, und wir unterhalten uns dann darüber.

GaloppOnline.de: Wollen Sie eines Tages nach Deutschland zurückkehren?

Rikki Morse: Bei einem guten Angebot wäre das möglich. Wenn Godolphin sich dort niederlassen würde, wäre das super. Wegen der Kinder dürfte das aber nicht zu lange dauern. Die Große spricht zwar beide Sprachen, aber Schule ist doch etwas anderes. Das müsste schon genau überlegt werden.

GaloppOnline.de: Was machen Sie und Ihre Familie in Dubai in der Freizeit?

Rikki Morse: Ich spiele Golf und Squash. Ich gehe auch mit den Kindern schwimmen oder zum Strand. Da die Große bis um halb drei in der Schule ist, haben wir auch nur das Wochenende für größere Unternehmungen zur Verfügung.

GaloppOnline.de: Wie beurteilen Sie den Bau-Boom und die riesigen Projekte in Dubai?

Rikki Morse: Es ist einfach Wahnsinn, wie schnell alles hier geht. Fahren wir nach England, fangen sie gerade etwas Neues an. Kommen wir zurück, ist es schon fertig. Die Schneehalle zum Beispiel ist einfach super. Wir werden wohl dieses Jahr Weihnachten in Dubai im Schnee verbringen. Das wäre ein Riesenspaß für die ganze Familie.

(19.04.2005)