Interview/Jockey Talks

Sascha Smrczek

Sascha Smrczek
Sascha Smrczek

Rund 777.000 Euro in Frankreich und knapp über 300.000 Euro an Gewinnsumme in Deutschland, 33 Siege in unserem Nachbarland bzw. in Belgien und 32 auf unseren Bahnen. Das sind rekordverdächtige Zahlen in der bisherigen Jahres-Statistik von Trainer SASCHA SMRZCEK aus Düsseldorf. Grund genug, damit unser Mitarbeiter Wolfgang Kanzler sich auf dem Düsseldorfer Grafenberg mit dem 42-Jährigen traf.

GaloppOnline.de: Wie erklären Sie sich die spektakulären Erfolge in diesem Jahr?

Sascha Smrczek: Zunächst einmal muss ich sagen, dass es die beste Saison in meiner bisherigen Trainer-Karriere war, obwohl das letzte Jahr schon sehr gut lief. Aber unser Stall hat sich kontinuierlich immer weiter gesteigert. Wichtig sind vor allem die gestiegene Qualität und ein entsprechender Besitzerstamm, aber auch die großartige Mannschaft rund um meinen Rennstall ist ganz wichtig.

 GaloppOnline.de:  Wie suchen Sie eigentlich die entsprechenden Rennen heraus?

Sascha Smrczek: Es kommt, egal ob es in Deutschland oder in Frankreich ist, immer auf das entsprechende Rennen an. Für die Prüfungen in Frankreich ist vor allem die Qualität der Pferde wichtig. Manche passen auch nicht in das dortige Rennsystem rein, das muss man auch einmal sagen. Es gibt Marschierer, die dort Start-Ziel nicht hinkommen, die eben in Deutschland besser aufgehoben sind.

GaloppOnline.de: Besonders angetan haben es Ihnen die hochdotierten Tierce-Rennen. Glauben Sie, noch einen Sieger in diesem Jahr stellen zu können?

Sascha Smrczek: Vier Tierce-Rennen konnte unser Stall in diesem Jahr bereits für sich entscheiden, fünf würde ich schon gerne gewinnen. Aber wir haben noch das eine oder andere heiße Eisen im Feuer. Red Ghost hielt sich als Vierter im Grand Handicap von Angers sehr gut. Ihm traue ich auf jeden Fall zu, sich auf dieser Ebene solch ein Rennen zu schnappen. Für unsere Besitzer sind derartige Rennen natürlich sehr lukrativ.
Aber das alles geschieht auch zum Nachteil des deutschen Rennsports. Oder wie sehen Sie das?
Schauen Sie doch mal: Ich habe mich maßlos geärgert, als Nero in Neuss gegen schwache Konkurrenz ein Maidenrennen gewann und dafür eine Handicap-Marke von 66 Kilo erhielt. Die Handicapper und wir sitzen doch alle in einem Boot! Über unsere Frankreich-Starts regen sich viele meiner Kollegen auf. Aber einige meiner Großbesitzer wie Bernd Raber oder Stefan Hoffmeister reinvestieren das Geld auch wieder in neue Pferde, weil sie auch viel Spaß daran haben. In Deutschland wird ein Sieger bestraft, wer soll da noch investieren?

GaloppOnline.de: Wie beurteilen Sie aus diesem Grund Ihren Standort in Düsseldorf?

Sascha Smrczek: Für die Rennen in Deutschland ist der Standort in Düsseldorf doch ideal, auch nach Frankreich. Gut, nach Berlin-Hoppegarten ist es sicher etwas weit.

GaloppOnline.de: Aber ganz preiswert sind die Fahrten nach Paris nicht. Rechnen sich die Kosten trotzdem?

Sascha Smrczek: Den Aufwand Starter zur Gewinnsumme in Frankreich muss man vor allem auch im Hinblick auf die zu erwartenden Prämien sehen. 2014 waren es bis jetzt schon alleine 300.000 Euro, die man zu den 777.000 Euro dazu rechnen muss. So rechnet sich schließlich auch ein fünfter Platz in Frankreich. Natürlich sind die Siegerehrungen in Deutschland schön, in Frankreich geht alles viel anonymer zu. Trotzdem: Wir haben siebzehn Mitarbeiter, sind ein mittelständiges Unternehmen und kein Pony-Hof.  

GaloppOnline.de: Werden wir auch Starter auf den Sandbahnen in Neuss und in Dortmund sehen?

Sascha Smrczek: Natürlich. Es gibt Pferde für die Rennbahnen dort, die sich manchmal aber auch erst später herauskristallieren.   

GaloppOnline.de: Vielleicht auch in den Hindernisrennen?

Sascha Smrczek: Wir haben zwei erfahrene Hindernis-Reiter bei uns am Stall mit Miguel Lopez und Marian Falk Weißmeier und konnten vor zwei Jahren mit River Storm Dancer den Sieger in der Badenia in Mannheim stellen. Wir würden gerne Starter in dieser Hinsicht aufbieten und hoffen, dass der deutsche Rennsport da auch mitspielt.

GaloppOnline.de: Viele Ihrer Besitzer kommen vor allem aus dem Südwesten. Wie kam der Kontakt zustande?

Sascha Smrczek: Während meiner Bundeswehrzeit im Südwesten lernte ich Matthias Schwinn in Honzrath und das Saarland kennen. Jedes noch so schwache Pferd soll doch die Chance bekommen, ein Rennen zu gewinnen, sicher nicht unbedingt nach dem Geschmack der dortigen Besitzertrainer. Aber wenn es für eine Premium-Bahn nicht reicht?

GaloppOnline.de: Haben Sie eine Lieblingsbahn?

Sascha Smrczek: Natürlich Hamburg-Horn, da läuft es meistens immer sehr gut für uns.

GaloppOnline.de: Wie beurteilen Sie die Entwicklung in Frankfurt?

Sascha Smrczek: Es muss meiner Ansicht unbedingt eine Lösung geben, damit auf keinen Fall die Rennbahn in Frankfurt platt gemacht wird. Sie ist eine Verbindung zwischen den Bahnen im Süden und im Westen.  

GaloppOnline.de: Sie galten lange Zeit als Underdog bei den Trainern. Können Sie sich das erklären?

Sascha Smrczek: Nun, ich habe mit vier Pferden angefangen, besaß maximal einen Ausgleich III-Kandidaten im Stall. Aber nach dem Weggang von Dortmund nach Düsseldorf ging es steil bergauf. Wambel ist von den Bahnen an Rhein und Ruhr recht weit entfernt. Vor allem, als ich rund sechzehn Pferde von Heike Focke betreuen durfte und dann oft nach Frankreich fuhr. Frau Focke war auch ein Fan der Rennen im Nachbarland.

GaloppOnline.de: Gab es in den letzten Jahren auch Zeiten, an denen es nicht so gut lief?

Sascha Smrczek: Nach dem Weggang von Henk Grewe prophezeiten mir viele Leute den Untergang. Aber trotzdem ging es bei den Siegerehrungen nonstop weiter. Drei Siege beispielsweise in Saint-Cloud waren einfach sensationell.

GaloppOnline.de: Prince Flori, der Galopper des Jahres von 2006, bedeutete denn den endgültigen Durchbruch?

Sascha Smrczek: Das stimmt. Relativ schnell nach dem Listentreffer von Kalderon in Straßburg landeten wir mit Prince Flori in den Schlagzeilen, er war sozusagen der Prinz von Baden. Danach kamen unmittelbar die Erfolge mit Lucas Cranach. Nausica Time in Baden-Baden und zum Abschluss der Gruppe-Saison in Krefeld mit Vif Monsieur bedeuteten weitere schöne Erfolge in Deutschland.

GaloppOnline.de: Wie lauten Ihre Ziele für die weitere Zukunft?
Bis jetzt lief es im jeden Jahr kontinuierlich nach oben. Wir wollen natürlich in der oberen Liga mitspielen und uns auf Gruppe-Ebene weiter etablieren.

GaloppOnline.de: Wie beurteilen Sie die weitere Entwicklung des Rennsports in Deutschland?

Sascha Smrczek: Ich bin der Meinung, dass wir auf jeden Fall auf einem guten Wege sind, zumal die Rennpreise auch angehoben worden sind. Das Problem ist nur, dass wir derzeit zu wenige Startpferde haben. Viele Züchter haben entweder aufgehört oder haben ihre Aktivitäten zurückgefahren. Da komme ich wieder zurück auf die Einstufungen der Handicapper. Es muss doch nicht immer die Drei-Kilo-Regelung geben. In Frankreich oder in Belgien bekommt ein Sieger auch beispielsweise nur ein Kilo Aufgewicht.

GaloppOnline.de: Zum Abschluss: Können Sie uns schon Pferde aus dem jüngsten Jahrgang nennen, die in der nächsten Saison eine gute Rolle bei den Dreijährigen spielen?

Sascha Smrczek: Von den bereits gelaufenen Pferden sehe ich bei Invictus noch einige Verbesserungsmöglichkeiten, aber auch Ma Marie hat sich gut verkauft bislang. Es ruhen aber noch weitere Hoffnungen bei einigen anderen Zweijährigen im Stall.
 

(18.11.2014)