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Entscheidende Sitzungen des Direktoriums

Den 18. und den 25. Januar diesen Jahres muss man sich im Kalender dick anstreichen. Es läuft der Countdown für die Zukunft des deutschen Rennsports, und zwei Sitzungen sollen und werden die Weichenstellungen dafür bringen. Die Präsidiums-Sitzung des Dachverbandes am 18. Januar, das ist ein Mittwoch, und die Mitgliederversammlung des Direktoriums am 25. Januar, das ist ebenfalls ein Mittwoch, sind Fixpunkte des Jahres-Meetingskalenders der Entscheidungsträger dieses Sports. Und man darf wohl mit Fug und Recht behaupten, nie war es so wichtig wie anno 2017.

Nicht, dass man gleich sagen müsste „Schließt Euch ein, und erst wenn der weiße Rauch aufsteigt, dürft Ihr wieder raus.“ Denn das Entscheidende wird nicht die Wahl des neuen Rennsport-Papstes sein, der in Gestalt von Albrecht Woeste vermutlich ohnehin der alte sein wird, zumindest für eine Übergangszeit. Darauf deuten einige Zeichen hin. Viel entscheidender ist der weiße Rauch für die Konzepte, für die Strukturreform, über die seit Jahren diskutiert wird, aber die es nun endlich in umfassender Form geben soll. Man darf davon ausgehen, dass hinter den Kulissen gewerkelt wird an just diesen Konzepten, dass sie quasi dann bei den beiden Januar-Sitzungen abgesegnet werden. Die Materie ist, zugegeben, fürchterlich kompliziert, vor allen Dingen, was die Verschachtelungen der Gremien angeht und die Frage, mit was der Rennsport in Zukunft Geld verdienen soll.

Es gilt, die nachhaltige Quelle der Erlöse, die in den Sport fließen, ausfindig zu machen und die Aktivitäten darauf auszurichten. Sind es die Bildrechte, die vermarktet werden müssen (wobei man die erst einmal haben muss, denn heute liegen sie bei German Tote und damit zur Hälfte in Frankreich)? Sind es die Totoumsätze, die man steigern will? Sind es Erlösquellen, die mit dem eigentlichen Rennsport nichts zu tun haben, Stichwort Sportwette, verbunden mit einem Blick nach Hong Kong, wo der Jockey-Club Fußball-Wetten-Pools betreibt?

Ein Konzept für die Reform der Strukturen dieses Sports ist auf wenigen Seiten, oder noch besser in wenigen Zeilen, natürlich nicht abgehandelt. Abgeleitet von den Erlösquellen gibt es der Kernaufgaben viele. Wetten, Marketing & Sales, Events & Veranstaltungen, Verwaltung & Finanzen, das sind nur vier Bereiche - aber vermutlich die wichtigsten – die es zu beackern gilt. Das erfordert eine durchaus umfassende Personalausstattung der neuen Strukturen, und damit eine Investition, aber dank des RaceBets-Verkaufs sind zumindest die ersten notwendigen  Millionen ja bekanntlich vorhanden. Das Wichtigste wird sein: Kein Zerren um die Verteilung der Gelder und die Projekte der Investition. Gelingt das, könnte die halbe Schlacht geschlagen sein.

So wichtig die Strukturen als Basis der neuen Ausrichtung des Sports auch sind, nicht minder wichtig sind die Köpfe. Viele sind gekommen, viele sind gegangen in den letzten Jahren. Viele waren als Berater da, und irgendwann wieder weg. Viele Vertreter in den Gremien sind erfolgreiche Unternehmer in ihren spezifischen Bereichen, geben aber zu, dass ihnen ganz einfach eines fehlt, um sich mehr einzubringen: Zeit. Gregor Baum hat das beim Vollblut Experten Tag in Hannover mit folgendem Satz beschrieben und die Sache mit der Zeit auf das Wissen ausgedehnt: „Der gesamte Rennsport wird ehrenamtlich geführt, alle sind operativ tätig, obwohl uns eigentlich dafür die Zeit und das Fachwissen fehlt.“ Was steckt hinter diesem Satz? Vor allem wohl, dass die Transfers des Erfolges und des geballten Wissens in den jeweiligen Spezialbereichen auf den Rennsport nicht einfach sind, dass es dort ganz andere Herausforderungen gibt, die es zu bewältigen gilt. Diejenigen, die „Multi-Unternehmer“ oder zumindest Mehrfach-Unternehmer in unterschiedlichen Branchen sind, kennen das nur zu gut. Das wird dann wohl auch der Leitgedanke sein bei der Suche nach dem richtigen Personal. Aber das hat wohl noch etwas Zeit, im Januar müssen erst einmal die Grundlagen anderer Art gelegt werden.

(10.01.2017)