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„Kräfte bündeln, Leuchttürme setzen“

Klaus Allofs schilderte in Hannover seine Ansichten zum Rennsport
Klaus Allofs schilderte in Hannover seine Ansichten zum Rennsport

Mit der Rekordkulisse von knapp über 100 Gästen begann am Freitagabend pünktlich um 19 Uhr im Courtyard-by-Marriot Hotel am Maschsee in Hannover der 10. Stammtisch der Norddeutschen Besitzervereinigung für Vollblutzucht und Rennen. Unter der Moderation von Daniel Delius diskutierten auf dem Podium VFL-Wolfsburg-Manager und Pferdebesitzer Klaus Allofs, Gestüts Brümmerhofs Besitzer Gregor Baum, auch Vorstand des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 sowie Vizepräsident der Besitzervereinigung für Vollblutzucht und Rennen, Riko Luiking, Geschäftsführer German Tote, Daniel Krüger, Vorstandsmitglied des Bremer Rennvereins und Geschäftsführer der Besitzervereinigung und Anwalt Carl Philip Graf zu Solms-Wildenfels, Schatzmeister des Frankfurter Renn-Klubs.

Klaus Allofs sprach über seine Affinität zum Galopprennsport, die bereits seit seiner Jugend in ihm stecken würde. „Meine ersten Rennpferde habe ich bereits mit 19 Jahren eintragen lassen“, meinte der gebürtige Düsseldorfer, der sich aber immer noch wundert, dass der Galopprennsport in Deutschland immer noch bedingt durch das leidige Thema Wetten in einer Schmuddelecke stehe. „Es ist offenbar immer noch anrüchig, wenn man sagt, dass man zur Rennbahn fahre oder sogar, dass man wettet. Das kann nicht sein, da muss man gegensteuern. Ich kann nur sagen, mir hat der Sport viel gegeben, zur Zeit schreibe ich sogar mit meinen Pferden, ich habe zur Hälfte sechs gemeinsam mit Dr. Andreas Jacobs, schwarze Zahlen.“

Philip Graf Solms-Wildenfels brachte das weit über die Grenzen Frankfurts für den Rennsport so bedauerliche Thema Schließung der Galopprennbahn in Niederrad zu Gunsten des Kompetenzzentrums des DFB zur Sprache: „In Frankfurt wird auch noch um die Wette gerannt, aber es sind nicht mehr die Pferde, sondern die Anwälte.“ Auf die vom Moderator klipp und klar gestellte Frage, ob es 2016 noch Galopprennen in Frankfurt geben werde, antwortete Graf Solms: „Ich kann es Ihnen hier und heute nicht sagen.“ Auch in Bremen könnte es in naher Zukunft keine Rennen mehr geben.

Daniel Krüger, Vorstandsmitglied in der Vahr: „Der Bremer Rennverein ist nur Pächter, Besitzer ist die Stadt Bremen. Wir haben die Bahn bis 2020 gepachtet, doch die Stadt besitzt ein Sonderkündigungsrecht, wenn ein Bebauungsplan vorliegt. Das ist der Fall, noch hat man uns nicht gekündigt und wir gehen auch davon aus, dass wir 2016 und 2017 Rennen in der Vahr veranstalten, doch 2018 wird die Messe für den Rennsport in Bremen gelesen sein.“ „Frankfurt weg, Bremen weg: Was bleibt?“, fragte Moderator Daniel Delius in die Runde. Klaus Allofs bezog wie folgt Stellung: „Dann heißt es erst recht, Kräfte bündeln, Leuchttürme setzen. Dann sind die anderen Rennbahnen erst recht so richtig gefragt.“

Gregor Baum vertrat den Standpunkt, dass sich durch den Wegfall von Bremen und Frankfurt ganz große Löcher in der Rennsportlandschaft aufreißen würden. „Ich denke an die Wetter aus diesen Umgebungen, oder an die Züchter aus diesem Umfeld, die sind doch vor allem wegen der Rennbahnen doch dabei. Da wird sehr viel wegbrechen.“

Riko Luiking von German Tote betonte, dass die PMU Deutschland noch als Entwicklungsland sehe und das hier noch einiges an Steigerungspotenzial möglich sei. Ein Fernsehkanal für den Pferderennsport war natürlich interessantes Thema, hier scheint das Projekt „Equidia-Germany“ bereits konkretere Formen zu besitzen. Riko Luiking wies auch noch einmal darauf hin, dass nicht die PMU für die teils weniger Zuschauerfreundlichen Anfangszeiten verantwortlich sei, sondern France Galop. Und mit den Verantwortlichen seien bereits erste Gespräche zu diesem Thema geführt worden.

Gregor Baum machte deutlich, dass einige Terminierungen von sogenannten „PMU-Renntagen“ nicht akzeptabel seien. Er nannte das Beispiel, dass man in diesem Jahr am Dienstag nach dem hannoverschen Pfingstmontag-Rennen eine PMU-Veranstaltung in Bremen angesetzt habe. „Da können wir davon ausgehen, dass in Hannover kleine Felder angeboten werden, dies wollen die Sponsoren nicht sehen. Diese oder ganz ähnliche Konstellationen waren schon häufiger der Fall und ich befürchte, dass wir dadurch in Hannover einen Sponsor, der mit einer sechsstelligen Summe den Rennsport unterstützt, langfristig verlieren werden.“

Nach mehr als zwei Stunden intensivem Meinungsaustausch ergriff Peter Gollmann von der NBV das Mikrofon und lud die Gäste noch zu einer Fragerunde ein. Lesen Sie auch einen ausführlichen Bericht über den NBV-Stammtisch in der kommenden Woche in der „Sport-Welt“.

(06.03.2016)