Top-Story

Amarette - Die 14. Diana-Siegerin Schlenderhans

Als Amarette am ersten Juni-Sonntag auch den kräftigen Schlussakkord von La Ina konterte und im 146. Preis der Diana, der nach wirtschaftlichen Problemen in Mülheim an der Ruhr erstmals auf der Derby-Bahn entschieden wurde, auf der Linie einen Kopfvorteil behauptete, stieg die Monsun-Tochter zur 14. Diana-Siegerin für das Gestüt Schlenderhan auf.

1913 hatte Orchidee II den ersten Preis der Diana für die Quadrather Zuchtstätte gewonnen, so große Schlenderhaner Namen wie Schwarzgold, Asterblüte oder Schönbrunn finden sich in der Siegerliste wieder.

Zwölf Siege folgten bis Slenderella im Jahre 1984, die nach ihrem Sieg im Schwarzgold-Rennen in Düsseldorf am Raffelberg einen weiteren klassischen Treffer folgen ließ. In einer denkwürdigen Ankunft, denn den Diana-Sieg musste sie sich mit Stall Gamshofs Las Vegas teilen. Nun gelang es Amarette mit Stalljockey Andreas Suborics im Sattel, die Schlenderhaner Serie in diesem Stutenklassiker wieder aufzunehmen.

Die von Andreas Schütz trainierte und nun nach drei Starts noch unbesiegte Amarette geht auf eine alte Schlenderhaner Linie zurück, die der Alma mater. Eins der der besten Pferde war zweifellos Alpenkönig, der Derby-Sieger von 1970, der trotz seiner grandiosen Siege, er gewann dreijährig auch noch Aral-Pokal, Großen Preis von NRW und Großer Preis von Baden, stets im Schatten seines Trainings- und Zuchtgefährten Lombard stand. Alpenkönigs Mutter Alpenlerche brachte auch Agora, die auf über 90 Kilo kam und Aviatik eine klassische Siegerin fohlte.

Auch dass sie einäugig war, konnte sie nicht daran hindern, 1977 das Schwarzgold-Rennen unter Horst Horwart für Schlenderhan zu gewinnen. Nach Aviatik (Mutter der Deckhengste Astico und Astylos) folgte Amitie, die immerhin von Caro stammte und ein weiterer Beweis dafür war, dass Schlenderhans Zuchtpolitik schon früh international ausgerichtet war. Amities Tochter Anona, die von Arratos stammt, taucht in Amarettes Pedigree als Ur-Großmutter auf. Anona war nicht unbedingt ein helles Licht auf der Rennbahn, gewann als Dreijährige bei ihrem ersten Start im Leben auf der Kölner Heimatbahn, weitere Treffer blieben aber aus. Wie auch Versuche, auf Listenebene eine Platzierung zu ergattern.

Doch auch Anona wurde in die Schlenderhaner Mutterstutenherde eingereiht, vermutlich auch aus dem Grunde, da ihre Mutter lediglich drei Fohlen brachte und es galt, das wichtige Erbe der Alma mater auf breiter Basis zu sichern. Es sollte sich auszahlen. Zwar waren die ersten Nachkommen der Anona mehr oder weniger gute Vertreter der Handicapklasse, doch mit ihrem letzten Produkt dankte die Arratos-Tochter ihre Zuchtstätte für die Geduld. Und dabei kam dieser „Volltreffer“ auf der Rennbahn noch nicht einmal in den Farben des Züchters zum Zuge.

Es handelt sich um Ajano, der 1995 zum Schlenderhaner Aufgebot für die BBAG-Jährlingsauktion gehörte und der dann auch für einen sehr zivilen Preis in den Besitz des Mindener Mediziners Dr. Ratbod Rudolph kam. Ajano kam zu Hans-Jürgen Gröschel in Training, er formte den Kings Lake-Sohn zum Gruppe-Sieger. Allerdings war auch etwas Glück mit im Spiel, denn den Großen Müller-Brot-Preis 1997 hatte Caitano von Ajano gewonnen, doch war er dem Gröschel-Schützling ins Gehege gekommen, und die Stewards drehten das Resultat, so dass der Schlenderhaner zum Gruppe-Sieger aufstieg.

Unter den sechs Fohlen, die Anona in Schlenderhan zur Welt brachte, war lediglich eine Stute, die von Windwurf stammende Akasma. Sie war eine relativ spätreife Stute, Heinz Jentzsch schenkte ihr die Zweijährigen-Saison, brachte sie aber dreijährig gleich siegfertig heraus. Bei sieben Starts in diesem Alter kehrte Akasma dreimal als Siegerin zurück, brachte es auf ein GAG von 78,5 Kilo.

Lange wird man in Schlenderhan nicht überlegt haben, ob man Akasma nach Quadrath zurückholt. Gleich im ersten Jahr wurde sie von Kings Lake gedeckt. Schlenderhan war zu diesem Zeitpunkt die Heimat dieses Nijinsky-Sohnes, der im irischen Coolmore Stud seine Stalllionkarriere begonnen hatte und der 1990 in den Besitz des Gestüts Schlenderhan kam. Ende der neunziger Jahre wirkte Kings Lake noch eine kurze Zeit im Gestüt Eichenwald, ehe er 1999 abtrat.

Allzu großen Einfluß hat er hierzulande nicht hinterlassen, neben Ajano stieg auch sein Sohn Ardilan zum Gruppe-Sieger auf. Auch er ein Schlenderhaner, der in anderen Farben zum Triumph kam.

Mittlerweile hinterlassen die Töchter von Kings Lake in der Zucht aber keine schlechten Spuren. Wie auch Avocette, wie erwähnt der erste Nachkomme der Akasma. Bereits zweijährig konnte Avocette gewinnen, stieg ein Jahr später mit ihrem Erfolg unter Billy Newnes im Iffezheimer Idee-Festa-Rennen zur Listensiegerin auf, kam auf 85 Kilo GAG. Der gute Handicapper Ait Jidar folgte als nächstes Produkt der Avocette, die 2001 mit der von Tiger Hill stammenden Attilia eine Klassestute lieferte.

Davon konnte man sich noch jüngst in Baden-Baden bei ihrem Erfolg ebenfalls im Idee Festa-Rennen überzeugen, als sie mit selten gesehenem Speed noch zum Zuge kam. Zweijährig steht mit der von Monsun stammenden Adrastea eine Akasma-Tochter bei Peter Schiergen in Training. Ebenfalls weiblicher Nachwuchs kam im Vorjahr zur Welt, als Akasma nach In The Wings Aramina fohlte.

Avocette startete in der Zucht mit der von Acatenango stammenden Anavera, die im Vorjahr als Dreijährige mehrfach platziert lief, dann in Hannover die Maidenschaft ablegte, doch so richtig weiter ging es nicht. So trennte man sich in Schlenderhan von ihr, Toni Zimmermann aus Jüchen wurde ihr neuer Besitzer, die Acatenango-Tochter kam zu Katja Gernreich nach Neuss in Training. Wenige Tage, nachdem ihre jüngere Schwester Amarette im Preis der Diana zu klassischen Ehren kam, gewann Anavera in Mülheim einen Ausgleich III. Immerhin ist man im Besitz einer Schwester einer Diana-Siegerin.

Die zweijährige Anatola, sie stammt von Tiger Hill, ist bei Peter Schiergen in Training, auf den Jährlingskoppeln in Schlenderhan befindet sich der von Monsun stammende Arras. In diesem Jahr brachte Avocette einen Hengst nach Monsun zur Welt und somit einen rechten Bruder der aktuellen Diana-Siegerin. Jungstallion Tertullian war in diesem Jahr ihr Partner, für den im Union-Gestüt wirkenden Miswaki-Sohn sicherlich eine Topchance.

In Schlenderhan braucht man sich um das Erbe dieser Erfolgslinie keine Sorgen zu machen. Gestütsleiter Gebhard Apelt: „Diese Famlie steht bei uns auf breitem Fundament, aktuell sind noch vier Mutterstuten aktiv, zudem steht in den Rennställen bereits reichlich Nachwuchs bereit. Teils höchst profilierter, teils noch vor den ersten Bewährungsproben. Wie das so mit den einzelnen Linien ist, mal sind sie oben, mal läuft es einige Jahre weniger gut. Aktuell aber brummt sie förmlich.“

Der Diana-Sieg von Amarette kann als totaler Schlenderhaner Triumph angesehen werden, denn auch der Vater Monsun ist ein Beschäler aus Quadrath. In den Farben von Georg Baron von Ullmann gewann der in Isarland gezogene Hengst u.a. zweimal den Preis von Europa, ferner auf höchster Gruppe-Ebene den Aral-Pokal. Der Sohn von Triple Crown-Sieger Königsstuhl wurde 1996 aufgestellt und stieg sofort zum Beschäler der Extraklasse auf. Er avancierte zum Champion der Deckhengste 2000 und 2002 wie auch zum Champion der Väter mit dem ersten Jahrgang 1999.

Von seinen besten Nachkommen sind vor allem die Gruppe I-Sieger Samum, Guadalupe, Salve Regina und nun Amarette zu verwähnen. Sie sind auch allesamt klassische Sieger und zudem Töchter aus der Northern-Dancer-Linie. Monsuns Vater Königsstuhl hat aus der Schlenderhaner Mutterlinie den bereits erwähnten Astylos gebracht, Alpenkönig stammt von Tamerlane, dem Großvater von Königsstuhl. Ein erfolgreicher Cross ist auch Akasma, denn sie stammt von Windwurf, dem Sohn des nah zu Königstuhl verwandten Kaiseradler.

(22.06.2004)