Top-Story

Die Kölner Schmiede der jungen Sattelkünstler

Bereits seit 2001 besteht die Jockeyschule in Köln. Vorbilder aus den führenden Rennsportländern gibt es reichlich, aber damit kann man sich natürlich nicht messen. Immerhin ist es ein Anfang, und nach einem Fazit der vergangenen acht Jahre kann man sagen, dass sich das Engagement zur Förderung der Nachwuchsrennreiter in Deutschland gelohnt hat.

Zahlreiche Sponsoren unterstützen die Mission der Deutschen Jockeyschule, so dass regelmäßig Lehrgänge durchgeführt werden können. Zurzeit hat die Jockeyschule 43 fördernde Mitglieder. Präsident des Fördervereins zur Jockey Aus- und Weiterbildung e.V., so die Bezeichnung der Organisation, ist Dr. Andreas Jacobs, Vizepräsident Karl-Dieter Ellerbracke.

Auch Manfred Hofer, nach einer überaus erfolgreichen Laufbahn als Jockey jetzt als Turfagent tätig, ist seit Beginn mit dabei. 2007 wurden acht Lehrgänge durchgeführt, zu denen jeweils fünf bis sechs Auszubildende eingeladen werden. Insgesamt gibt es in diesem Jahr 71 Auszubildende in Deutschland. Im Rahmen der Fortbildungslehrgänge besteht für Auszubildende auf Antrag der Ausbilder die Möglichkeit, die Reitfähigkeitsprüfung abzulegen. Das Bestehen dieser Prüfung ist – ebenso wie die Renn­ordnungskenntnisprüfung – Voraussetzung für die Reiterlaubnis, um an Rennen teilzunehmen.

Das Training findet während des jeweils einwöchigen Lehrgangs morgens im Asterblüte-Stall von Trainer Peter Schiergen statt, wo auch Pflege der Pferde und des Sattelzeugs zum Unterricht gehören. Bereits gute reiterliche Erfahrung aus dem eigenen Ausbildungsbetrieb ist natürlich Voraussetzung, um am Lehrgang in Köln teilzunehmen.

Dort stehen rennmäßiges Reiten, Übung an der Startmaschine sowie am Nachmittag auf dem Rennpferdesimulator auf dem Programm. Anhand von Videos wird die reiterliche Leistung jedes Einzelnen festgehalten, kommentiert und es werden wertvolle Tipps zur Verbesserung gegeben. Durch Spenden konnte inzwischen sogar ein zweiter Rennpferdesimulator angeschafft werden, auf dem Rennsitz und korrekter Peitscheneinsatz geübt werden können.

Kai Schirmann, selbst ehemaliger Jockey mit viel Rennerfahrung, begleitet die Lehrgänge, fotografiert und filmt die Reiter in der Morgenarbeit, damit nachmittags zusammen mit Jockey Peter Heugl, der auch für den Unterricht am Rennpferdesimulator zuständig ist, die Ritte analysiert werden können.

Für den Rennordnungsunterricht ist Susanna Santesson zuständig, selbst Pferdewirtschaftsmeisterin – Galopprenntraining – und als Mitglied der Prüfungskommissionen zuständig beim Direktorium für den Bereich Ausbildung im Rennsport. Weitere Unterrichtsfächer in der Theorie sind richtige Ernährung von Leistungssportlern, Anatomie des Pferdes und Pferdekrankheiten.

Einen großen Schritt nach vorne konnte die Kölner Jockeyschule durch die Aufnahme in die Gemeinschaft der führenden Europäischen Rennsportschulen machen: EARS (European Association of Racing Schools), zu denen Schulen in Irland, England (NRC – Northern Racing College) in Doncaster und British Racing School in Newmarket, AFASEC in Chantilly und alle übrigen Rennsportschulen in Frankreich, die Jockeyschule in Pisa sowie die Deutsche Jockeyschule in Köln gehören.

Diese Organisation hat sich das Ziel gesetzt, die Ausbildung im Rennsport auf ein einheitliches anspruchsvolles Niveau zu bringen. Es findet in diesem Zusammenhang nicht nur ein Austausch von Auszubildenden statt, sondern auch von Ausbildern, die an Weiterbildungslehrgängen in den Rennsportschulen teilnehmen können. Kai Schirmann konnte sich im vergangen Jahr in Irland über die Ausbildungsmethoden in der dortigen Rennsportschule vor Ort informieren.

Des Weiteren organisiert EARS jährlich ein Nachwuchsrennen in den Mitgliedsländern. 2006 war es Chantilly, zu dem auch deutsche Teilnehmer eingeladen wurden. Im September vergangenen Jahres war Eng­land in Newmarket der Veranstalter dieses Nachwuchsrennens, ebenfalls mit deutscher Beteiligung. In diesem Jahr ist am Tag des „Winterfavoriten“ in Köln am 19. Oktober Deutschland der Ausrichter eines „Internationalen Nachwuchsjockey Vergleichskampfes“, an dem Nachwuchsreiter aus Frankreich, Eng­land, Irland, Italien und Deutschland teilnehmen. Am gleichen Wochenende werden auch die Delegierten der Rennsportschulen zu einer Sitzung nach Köln kommen.

Die Story stammt aus der aktuellen Ausgabe der VOLLBLUT, die am 22. August erscheint.

(14.08.2008)