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Ian Ferguson und sein Neuanfang in Halle

Sonntag vor einer Woche in Neuss. Ian Ferguson auf dem Außenseiter Invado im Endkampf mit Peter Heugl auf Whinsky. Invado ist schon im Vorteil, aber auf den letzten Metern zieht Whinsky noch einmal entscheidend an, gewinnt schließlich mit einem Kopf-Vorteil. Es wäre bei der erstmöglichen Gelegenheit für Ian Ferguson gleich der erste Treffer in der Verbindung mit der Hallenser Trainerin Angelika Glodde gewesen.

Vor allem wäre es aber sein erster Sieg seit dem 27.Oktober 2001 gewesen. Damals hatte er mit der von Elfi Schnakenberg trainierten Stute Love Song in Leipzig seinen 360. und für lange Zeit letzten Erfolg gefeiert.

Knapp einen Monat später, genauer gesagt am 21.November in Dresden, ereignete sich für den gebürtigen Schotten ein weitaus weniger erfreulicher Vorfall. Bei einer Dopingprobe wurden bei Ferguson Spuren von Amphetaminen nachgewiesen. Die Konsequenz: Bis zum 8.Januar 2003 wurde der 31jährige gesperrt, musste die gesamte letzte Saison zusehen. Andere Jockeys haben in ähnlichen Fällen Gnadengesuche gestellt, um so das Strafmaß zu verringern und früher wieder in den Sattel steigen zu können. Ian Ferguson hat das nicht getan. „Ich habe mit einigen Leuten gesprochen, die mir dazu geraten haben. Ich habe aber darüber nachgedacht und es dann gelassen. Das, was ich getan habe, war keine Kleinigkeit. Ich habe die Strafe verdient und sie deshalb auch abgebüßt.“

Der Ordnungsausschuss war mit dem Strafmaß sicherlich nicht zimperlich, „ich kann rückblickend aber sagen, dass ich nicht unfair behandelt worden bin“, so Ferguson.

Ein Jahr Auszeit. Was macht man in solch einer Zeit? „Ich bin nicht geritten, habe sieben Monate in einer Firma in Verden als Hufschmied gearbeitet. Das erste Mal auf dem Pferd habe ich eigentlich erst wieder bei Frau Glodde gesessen“, sagt der Mann, der 1995 nach Deutschland kam und dessen erste Anlaufstation Hans-Jürgen Gröschel in Hannover war.

„Dort war ich aber nicht lange, bin dann zu Harald Grube. Dort hatte ich eine sehr gute Zeit.“ Eine Zeit, in der es aber auch gesundheitliche Probleme und dadurch bedingte Pausen gab. Mit Herzrhythmus-Störungen wurde er auch stationär behandelt.

„Das ist mittlerweile Geschichte. Ich kann wirklich sagen, dass ich fit and well bin. Im Moment kann ich 54,5 Kilo reiten, im Sommer sollen es 54 sein. Das hat mich eigentlich gewundert, denn früher konnte ich nur 55,5 Kilo reiten. Ich habe mich in den letzten Monaten aber auch schon vorbereitet, bin viel gejoggt und habe vernünftig gegessen“, erklärt der Jockey, der vor seiner Deutschland-Zeit auch in Belgien aktiv gewesen ist.

Nach Harald Grube war er bei Karl Demme beschäftigt, dann im Zucht- und Trainingsbetrieb von Winfried Sibbert in Visselhövede, mit dessen Tochter er längere Zeit befreundet war. Zwischenzeitlich, von April 1999 an, war er auch für Werner Baltromei aktiv, „aber im Westen hat es mir nicht so gut gefallen“, sagt Ferguson. Nach der Visselhoeveder Zeit folgte die Arbeit als Hufschmied, nun lebt Ferguson seit 1.Januar in Halle.

Nach einem Jahr Pause ist es nicht leicht, wieder Fuß zu fassen, doch das Engagement bei Angelika Glodde könnte für ihn ein gutes Sprungbrett sein. „Der erste Kontakt zu Frau Glodde kam im letzten Jahr in Bad Doberan zustande. Ich hatte damals schon gehört, dass Sebastien Jousselin eventuell bei Frau Glodde aufhört und ich denke, dass ihr Stall der beste in Ostdeutschland ist. Wenn ich im Osten reite, gehe ich davon aus, dass ich auch in den Rennen in denen ich nicht für den eigenen Stall aktiv bin, Ritte von anderen Trainern bekomme. Ich denke schon, dass ich da ein volles Programm haben werde.“

Aber auch im Westen wird man Ferguson des Öfteren zu Gesicht bekommen. „Angelika Glodde reist auch gerne, hat keine Angst, es im Westen zu versuchen. Sie fährt gerne mit Pferden nach Hannover oder Frankfurt.“

Exakte Ziele, zum Beispiel eine bestimmte Siegzahl, hat Ferguson sich für seinen Neuanfang nicht gesetzt. „Wichtig ist zunächst einmal, dass alles normal läuft, dass man sich wieder ins Gespräch bringt und dass die Leute auf einen aufmerksam werden, dann kommt alles andere schon von alleine. Zurzeit stehen etwa 45 Pferde im Stall. Einige von den älteren Pferden haben sich zwar hochgelaufen, aber da muss man mal sehen, wie es aussieht, wenn die ersten ernsthafteren Arbeiten anstehen. Bei den jungen Pferden sind schon einige versprechende Pferde dabei, das Material ist wirklich nicht schlecht. In den letzten Jahren hat Frau Glodde immer so 30-35 Rennen gewonnen, wenn ich in etwa auf diese Zahl komme, ist das schon in Ordnung.

Der Anfang dazu ist schon getan, denn zweieinhalb Stunden nach dem zweiten Platz mit Invado folgte mit Ascari aus dem Stall von Werner Baltromei Saisonsieg Nummer eins, der erste Erfolg seit 14 Monaten. Der Mülheimer Trainer war es auch, der Ferguson als Erster wieder auf seine Pferde setzte. „Ich muss Werner Baltromei und seinen Besitzern dafür danken, dass sie mir jetzt nach der Pause auf der Sandbahn wieder eine Chance gegeben haben und ich so wieder auf mich aufmerksam machen konnte“, sagt Ferguson, für den der Sieg mit Ascari der Startschuss für einen neuen Anfang gewesen sein könnte.

(06.02.2003)