Top-Story

Neu-Trainer Waldemar Hickst startet in Köln

Es war schon etwas überraschend, als Ende November des letzten Jahres der gebürtige Kirgise Waldemar Hickst seinen Wechsel vom Jockey- ins Trainerlager bekanntgab. Schließlich war der nun 40-jährige einer der Aufsteiger der letzten Jahre, hatte 2002 mit insgesamt 61 Saisonsiegen und zwei Gruppe-Treffern seine beste Saison. Bedingt durch Verletzungen war es 2003 zwar nicht ganz so gut gelaufen, doch das war nicht der Grund für den auf die Öffentlichkeit vielleicht etwas plötzlich wirkenden Wechsels.

“Ich hatte schon immer geplant, Trainer zu werden. Mit den Verletzungen hatte das überhaupt nichts zu tun. Die Lizenz hatte ich schon in Russland gemacht, doch die wurde hier nicht anerkannt. Ich musste dann noch einmal hier den Lehrgang machen, wobei es zunächst kleine Schwierigkeiten gab. Jetzt war es einfach so, dass sich eben jetzt die Gelegenheit ergab, ich die Chance hatte, zwanzig Boxen anzumieten.

Und in Köln Boxen zu bekommen, ist natürlich nicht gerade einfach, deshalb habe ich zugegriffen. Ohnehin wollte ich nur in Köln anfangen, denn ich halte die Weidenpescher Bahn für die beste Bahn zum Trainieren in Deutschland. Außerdem wohne ich in Frechen, muss also auch nicht umziehen”, sagt Hickst, dessen Verletzungspech aus dem letzten Jahr weiter anhält, denn am Vortag unseres Besuches brach sich der Ex-Remmert-Jockey bei der Arbeit im Stall den Mittelfinger der rechten Hand. “Es ist unglaublich. Ich bin seit 1977 im Rennsport, hatte außer ein paar Prellungen nie etwas Größeres gehabt.

Aber im letzten Jahr kam alles zusammen. Zuerst brach ich mir in Bremen einen Zeh, später folgte ein Handbruch.”

Nun ist er also vorübergehend wieder gesundheitlich gehandicapt, aber das ändert nichts daran, dass er sich intensiv um die ihm anvertrauten Pferde kümmert. Zunächst stehen davon acht auf der Trainingsliste und in den Boxen im ehemaligen alten Stall von Harro Remmert, dem Hickst mit roter und weißer Farbe ein neues “Outfit” verpasst hat.

Mit vier Pferden ist das Gestüt Simmenach vertreten, zu dem Hickst natürlich eine besondere Affinität hat, ritt er in dessen Farben doch mit dem mittlerweile nach England verkauften Dictum in der Flughafen Frankfurt-Trophy 2002 einen Gruppe-Sieg heraus.

“Das waren die Höhepunkte, die Siege mit White Rose in Frankreich und Dictum. Ohnehin habe ich bei Harro Remmert immer gute Chancen bekommen, konnte Pferde wie Uriah, Midnight Angel oder eben Dictum reiten. Ich habe auch weiterhin ein Super-Verhältnis zu Harro Remmert. Wir telefonieren regelmäßig, ab und zu schaut Herr Remmert auch vorbei. Bei ihm kann ich mir immer einen Ratschlag holen. Ich habe ihm viel zu verdanken”, sagt Hickst, der weiß, dass die Tätigkeit als Neu-Trainer kein Zuckerschlecken ist.

“Eigentlich fange ich zu einer schlechten Zeit als Trainer an, denn im Moment sieht es im deutschen Rennsport ja alles andere als rosig aus. Wichtig ist, dass der Start gut verläuft, einige Pferde sollen noch kommen, aber da muss man immer abwarten. Natürlich möchte ich auf Dauer auch einmal mehr als zwanzig Boxen haben, aber das ist hier in Köln natürlich nicht leicht.

Ich könnte eventuell noch drei weitere Holzboxen renovieren”, sagt Hickst, der schätzt, dass sein erster Starter im März auf der Bahn zu sehen sein wird. “Das hängt aber natürlich auch davon ab, wie wir in den nächsten Wochen arbeiten können”, so Hickst.

Absoluter Stallcrack unter seinen derzeit acht Schützlingen ist natürlich die Simmenacherin Lysuna, die Vierte aus dem letztjährigen Preis der Diana, die später noch Zweite auf Gruppe III-Ebene in Hamburg war. Sie kam aus dem Stall von Andreas Trybuhl (“Ich möchte betonen, dass es deshalb keinerlei Streit mit Andreas Trybuhl gab”), Hickst hat sie im Vorjahr selbst noch viermal geritten.

“Sie war im letzten Jahr noch unreif, ist natürlich meine große Hoffnungsträgerin. Sie hat sich hervorragend entwickelt, ist sehr fleißig geworden. Ich glaube, dass die optimale Distanz für sie 1800 Meter sind. Ich möchte mit ihr in einem Altersgewichtsrennen als Aufbaurennen anfangen. Natürlich wird man sie in den besseren Stutenrennen sehen.

Das internationale Programm ist ja für solche Pferde stark verbessert worden. Es ist sehr gut vorstellbar, dass Lysuna auch im Ausland zu sehen sein wird”, merkt man Hickst an, dass er sich schon richtig auf die Auftritte der Monsun-Tochter freut.

Mit Lycond steht ein dreijähriger, von Second Set stammender, Halbbruder von Lysuna im Stall, der auch noch eine Derbynennung besitzt, im Stall. “Ein ordentliches Pferd, aber er wird doch eher ein Pferd für Wege um die Meile sein, ist eher ein Typ wie sein Bruder Lymond.

Donatha ist ebenfalls dreijährig und eine Tochter der Dictum-Schwester Dhahrana. “Sie ist ein schönes Pferd, ich sehe sie auf Distanzen von 1400-1600 Meter, weshalb wir ihre Diana-Nennung möglicherweise auch nicht aufrecht erhalten wollen.”

Eine Nennung für den Stuten-Klassiker besitzt auch die gleichaltrige, von Waky Nao stammende Iduna. “Die Schwester war schon ein gutes Pferd, hatte leider etwas gesundheitliche Probleme. Waky Nao kann man als Deckhengst schwer einschätzen. Er hat Pferde gebracht, die über weite Distanzen gewonnen haben, aber auch über kurze Wege. Bei Iduna wollen wir die Diana-Nennung aufrechterhalten”, sagt Waldemar Hickst.

Der Stall Blanchelande hat die Winged Love-Tochter Aviane in die Obhut von Waldemar Hickst gegeben. “Sie ist eine Schwester von Arimero, der im Vorjahr doch eine große große Enttäuschung war. Sie macht sich gut, ist eine kräftige Stute. Etwas besser als der Bruder sollte sie schon sein”, sagt Hickst über die Dreijährige.

Mit Kamee (Kornado-Kyralda) und Orissa (Platini-Ordina) stehen auch zwei Zweijährige im Stall. “Orissa sieht genau aus wie ihre Mutter Ordina, die in Hannover die Meile der Nord/LB gewonnen hat. Sie ist eine kleine, kompakte Stute. Wir haben sie auch in der Winterkönigin genannt. Kamee ist eher ein untypischer Kornado-Nachkomme, er macht sonst eher richtige “Brocken”. Ihre Mutter ist nicht gelaufen.”

Erst seit einigen Tagen im Stall ist der vierjährige Polish Precedent-Sohn King of Mappen. “Zu dem Besitzer habe ich schon lange ein gutes Verhältnis. Eigentlich sollte ich einen Zweijährigen von ihm bekommen, was aber nicht zustande kam. Dafür habe ich King of Mappen bekommen. Ein tolles Pferd, wenn er so läuft, wie er aussieht, werden wir mit ihm noch viel Spaß haben.

Für die Zukunft steht bei ihm auch der Hindernissport auf dem Programm, Paul Johnson soll ihn einspringen. Aber zuerst wird er natürlich auf der Flachen anfangen”, sagt Hickst, der in der Jockeyfrage generell von Fall zu Fall handeln will.

“Natürlich will jeder Besitzer am liebsten Andrasch Starke haben, aber das geht nun einmal nicht. Ich habe aber einen sehr guten Draht zu William Mongil und Filip Minarik, deshalb sollte sich die Reiterfrage immer vernünftig klären lassen.”

(31.01.2004)