Interview/Jockey Talks

Mit G. Sybrecht

GaloppOnline.de: Können Sie sich an einem solchen Erfolgstag wie den Sonntag erinnern?

Göddert Sybrecht: Nein, ich hatte ja noch nie soviele Starter an einem Tag, auch noch nie drei Siege.

GaloppOnline.de: Mit Sagitario haben Sie einen Seriensieger im Stall. Er feierte seinen vierten Erfolg hintereinander. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Göddert Sybrecht: Sagitario kam mit einem verkümmerten Augapfel und einem auf einer Seite seltsam geformten Ohr zur Welt. Er ist ein Fährhofer Kind, ist dort in der Gruppe groß geworden, was ihm später weitergeholfen hat. Eigentlich stellt das Problem am Auge kein großes Problem dar. Ich habe ihn als Zweijährigen in Training bekommen, er war bereits angeritten und gut entwickelt.

Doch das Auge hatte sich entzündet, so dass wir es entfernt haben. Da das Pferd mit einer Cortisonsalbe behandelt werden musste, durfte Sagitario zunächst keine Rennen laufen. Ich wollte ihn unbedingt im Stall behalten und habe ihn selbst gekauft. Da er zu hengstig war, haben wir ihn kastriert. Doch diesen Eingriff hat er nicht gut verkraftet, hat einen Abszess bekommen. Es dauerte sehr lange, bis wieder alles in Ordnung war.

Da Sagitario nur ein Auge hat, habe ich ihn dann als Dreijährigen frühzeitig laufen lassen, damit er lernt, wie er sich im Pulk zu verhalten hat. Mit meinen wenigen Pferden kann ich das ja schlecht im Training testen. Drei Starts hat er absolviert, hat aber noch nichts gezeigt, er war wie ein Zweijähriger, hinkte noch ein Jahr hinter den anderen her. Jetzt wo, er aufgeholt hat, läuft es, wie seine vier Siege zeigen. Er hatte eine zeitverzögerte Entwicklung.

GaloppOnline.de: Wie sehen Sie seine Perspektiven? Was macht seinen Charakter aus?

Göddert Sybrecht: Man muss realistisch sagen, dass für ein Pferd mit seiner Abstammung (Acatenango-Sabanila) ein GAG von 72 Kilo noch nicht großartig ist. Aber die Serie ist schon einmalig. Sagitario gibt sich völlig unkompliziert, wäre eigentlich ein Kinderreitpferd, wenn er nicht aus Freude immer buckeln würde. Deshalb braucht man einen guten Reiter. Bis jetzt fielen seine Siege immer sehr überzeugend aus. Wenn das Rennen schnell ist, kann er seinen Speed so richtig zeigen.

Natürlich haben wir weitere Hoffnungen, aber mehr als ein guter Beobachter seiner Rennen kann ich auch nicht sagen, denn im Training wird das Pferd nicht gefordert. Sagitario ist rennfit, geht zwischen den Rennen keine Arbeit, zeigt zu Hause auch wenig. Sollte er eines Tages auf den jetzigen Distanzen erfasst sein, können wir es auch auf längeren Wegen versuchen.

GaloppOnline.de: Wird man ihn in Hamburg sehen?

Göddert Sybrecht: Er hat am ersten Samstag eine Nennung im Ausgleich II, aber das ist noch nicht sicher. Der Boden sollte auf keinen Fall hart sein.

Mit Itzmo, der in Köln im Ausgleich I auftrumpfte und schon dreifacher Saisonsieger ist, haben Sie einen weiteren Crack im Stall. Wie erklären Sie sich seine Super-Formen?

Als Dreijähriger hatte Itzmo schon einen hohen GAG. Dann bekam er etwas Probleme, zeigte sich hengstig, obwohl er im Vorjahr noch zweimal erfolgreich war. Es war gut, dass er zum Wallach befördert wurde. Er zeigt im Training nicht viel, verrät erst im Rennen seine Klasse. Er könnte am zweiten Hamburger Wochenende im Ausgleich I starten, aber auch bei ihm hängt das vom Boden ab. Alternativ kommt ein Altersgewichtsrennen in Frankreich in Betracht.

Es hat sich gezeigt, dass Itzmo keine ganz großen Felder mag, deshalb sind Tierce-Rennen für ihn jetzt out.Henk Grewe hat ihn in Köln sehr gut geritten, genau nach Order, Denn zu früh, darf das Pferd nicht kommen, sonst zieht er nicht durch.

GaloppOnline.de: Haben Sie weitere Hoffnungsträger?

Göddert Sybrecht: Wir haben aktuell sieben Pferde im Stall. Aelfrics Zukunft liegt auf der Hindernisbahn. Sein und Alendhas Bruder Ardbeg, ein Dreijähriger, hatte einen kleinen Stopp wegen Hustens, aber ich denke, er könnte seine Geschwister sogar übertreffen.

GaloppOnline.de: Wie sind Sie überhaupt zum Sport gekommen?

Göddert Sybrecht: Früher war ich Vielseitigkeitsreiter, genau wie mein Vater und meine Schwester. Meine Eltern hatten seit 1970 immer Pferde.

GaloppOnline.de: Was waren Ihre besten Pferde?

Göddert Sybrecht: Das erfolgreichste Pferd war sicherlich Scaligero, der ein Gruppe I-Rennen über Hindernisse gewann. Auf der Flachen möchte ich Anna Victoria nennen, eine gruppeplatzierte Listensiegerin.Das größte Talent war Ibisco, der als Siegloser das Oppenheim-Rennen an sich brachte.

GaloppOnline.de: Ist Ihr Lot aktuell zwischen Isernhagen und der Neuen Bult verteilt?

Göddert Sybrecht: Meine Startpferde und die Zweijährigen stehen auf der Neuen Bult, die Rekonvaleszenten zu Hause in Isernhagen. Wir haben schon vor zu expandieren und weitere Rennpferde aufzunehmen, das ist aber erst seit dem Umzug auf die Bult möglich.

GaloppOnline.de: Welche Jockeys bevorzugen Sie?

Göddert Sybrecht: Bis jetzt hatte ich ja noch nicht alle guten Jockeys auf unseren Pferden. Wichtig ist für mich, dass ein Reiter zuhören kann und ein Gefühl für das Pferd hat. Er darf es nicht auseinandernehmen.

GaloppOnline.de: Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Göddert Sybrecht: Zusammen mit Freunden. Früher habe ich viel Sport gemacht, doch lässt das meine körperliche Situation nicht mehr zu. Entspannung statt Action ist angesagt.

(14.06.2007)