Interview/Jockey Talks

Mit Gregor Baum

GaloppOnline.de: Das Beispiel Viererwette zeigt, dass bei reiner Vermittlung durch Buchmacher in den Toto die Wettumsätze stimmen. Welche Schlüsse zieht man daraus?

Gregor Baum: Die Buchmacher verteilen ihr Risiko. Als Unternehmer sind sie natürlich ertragsorientiert. Bei einem hohen Risiko, wie in der Viererwette, ist das Interesse des Haltens geringer.

GaloppOnline.de: Die Verträge mit den Buchmachern liefen zum Jahresende aus. Werden auch in Zukunft Bilder in den Läden zu sehen sein?

Gregor Baum: Der Rennsport hat den Buchmachern das Angebot gemacht, bis zum Ende der Verhandlungen die Bilder zu den alten Konditionen zu empfangen. Diese Gespräche werden im Januar/Februar fortgesetzt.

GaloppOnline.de: Ist es richtig, dass die Kommission Wetten erst vor einigen Wochen gebildet wurde und bislang noch nicht getagt hat?

Gregor Baum: Eine Kommission Wetten gibt es schon sehr lange, sie arbeitet auch intensiv und konzeptionell an notwendigen Veränderungen, die im Rahmen der neuen Struktur umgesetzt werden müssen. Hier wurde beispielsweise die Garantieauszahlung in der Viererwette vorgestellt und entwickelt. Es wurden und werden Gespräche mit verschiedenen Vertriebspartnern geführt, wie z.B. mit den Buchmachern und anderen potenziellen Vertragspartnern.

GaloppOnline.de: Dauert die Umsetzung der Pläne nicht zu lange bei der aktuellen Entwicklung?

Gregor Baum: Solche extremen Veränderungen der Strukturen setzen langwierige Prozesse innerhalb des Rennsports voraus. So müssen alle Gremien und Vereine mitgenommen werden. Bevor man mit potenziellen Investoren in detaillierte Gespräche treten kann, sollten alle rechtlichen Fragen geklärt sein. Wir müssen also zunächst die eigenen Hausarbeiten erledigen. Es macht keinen Sinn, übereilt zu handeln bei einem solch zukunftsweisenden Projekt.

GaloppOnline.de: Viele Aktive beklagen sich über mangelnde Informationen über die Reform. Weshalb geht man damit nicht offensiver um?

Gregor Baum: Das sehe ich nicht so. Es wird über das berichtet, was möglich ist. Man kann konkret erst etwas sagen, wenn der jeweils nächste Schritt gemacht ist. Wir haben gesagt, dass wir die Strukturen zentralisieren wollen, und wir haben auch mitgeteilt, wie unsere Ziele aussehen.

GaloppOnline.de: Vertreten Sie auch die Meinung, dass nach wie vor soviel gewettet wird wie vor einigen Jahren, aber nur noch wenige Gelder beim Sport ankommen?

Gregor Baum: Diese Aussage kann ich nur unterstreichen.

GaloppOnline.de: Die Strukturreform hat sich zum Ziel gesetzt, Termine (z.B. vier, fünf Sonntagsveranstaltungen) zu entzerren. Ein Blick auf den Kalender 2008 besagt aber etwas anderes. Auch Mittwochsrenntage und Samstage im Westen des Landes sind fast verschwunden. Besteht nicht die Gefahr der Entwöhnung der Wetter?

Gregor Baum: Ein wichtiges Ziel ist die Entzerrung der Termine. Das geht einher mit der zentralen Vermarktung. Man kann das aber nicht als erstes machen, denn dafür braucht man die finanziellen Mittel. Wir können zur Zeit nicht auf die aktuellen Sponsoren verzichten, die hauptsächlich für Sonntagsveranstaltungen eingeplant sind. Aber so extrem ist der Terminkalender nicht. Es gibt nicht viele Sonntage mit fünf Parallelveranstaltungen. Wenn die Struktur endgültig umgewandelt ist, wird alles entzerrt. 2008 ist ein Jahr des Umbruchs und des Übergangs.

GaloppOnline.de: Sind die Anschub-Gelder für die Reform von finanzstarken Partnern vorhanden?

Gregor Baum: Wir stehen in aussichtssreichen Verhandlungen, aber Namen kann ich derzeit nicht nennen.

GaloppOnline.de: Der Bestand an Pferden geht immer weiter zurück. Immer weniger Pferde laufen im Inland. Sogar der Silvester-Renntag wurde abgesagt. Ist nicht eine Erhöhung der Preisgelder zwingend erforderlich, um diesen Trend zu stoppen, und wie kann diese finanziert werden?

Gregor Baum: Sicher ist das ein zentrales Ziel der neuen Struktur. In der Spitze und vor allem in der Basis wollen wir die Dotierungen erhöhen, was mit der alten Struktur nicht erreichbar wäre. Deshalb kämpfen wir ja für einen neuen Weg.

GaloppOnline.de: Hong Kong-Chef Winfried Engelbrecht-Bresges beklagte vor kurzem in einem Interview mit der Sport-Welt das veraltete Rennwett- und Lotteriegesetz und die hohen Abzüge auf die verschiedenen Wettarten. Wie laufen hier die Gespräche mit der Politik?

Gregor Baum: Die Verhandlungen mit der Politik sind nicht einfach. Die Politik hat einen Staatsvertrag verabschiedet, der ab 1.1.2008 die Sportwette regelt. Er regelt, dass die Pferdewette neben Lotto und Oddset die einzige legale Sportwette ist.

GaloppOnline.de: Ist die Floskel „Alles Geld in den Toto” eine Utopie?

Gregor Baum: Ganz sicher muss der Toto gestärkt werden. Aber in Deutschland sind Buchmacher gesetzlich zugelassen. Die Freiheit der Berufsausübung wird diese Floskel nicht in voller Konsequenz ermöglichen. Die Frage muss lauten, was bietet der Rennsport den Vertriebspartnern für ihr Geschäft und was bekommt er im Gegenzug zurück?

(07.01.2008)