Interview/Jockey Talks

Mit P. Schiergen

GaloppOnline.de: Sie werden mit vier Pferden ins Derby gehen, wie stehen die Chancen auf ihren dritten Derbysieg?

Peter Schiergen: Die Vorbereitung bei allen Pferden läuft nach Plan, sie sehen momentan auch wirklich alle hervorragend aus. Die Vorzeichen sind auf jeden Fall gut. Das Derby kann kommen.

GaloppOnline.de: Was das Derby angeht, sah es zunächst nur nach Andreas Wöhler, dann nach Jens Hirschberger aus. Doch dann gewannen sie mit dem Union-Rennen und dem Trial in Dresden zwei der wichtigsten Derby-Tests.

Peter Schiergen: Axxos hatte ja bereits im Frankfurter Grupperennen eine starke Form gezeigt, er hatte neben dem Union-Rennen dann noch die Option Italienisches Derby, aber wir haben uns für Köln entschieden. Das Rennen von Lovely Tiger in Dresden war für mich kein echter Stehertest, denn es wurde doch sehr langsam gelaufen.

GaloppOnline.de: In den Wettmärkten steht von Ihren Pferden Axxos nach seinem Union-Sieg am kürzesten. Ist das nach Ihrer Meinung berechtigt?

Peter Schiergen: Wer das Union-Rennen gewinnt, ist immer Favorit oder Mitfavorit für das Derby. In der Union waren ja auch nur gute Pferde am Start. Manche sagen, er hat das Rennen nur gewonnen, weil Andrasch so toll geritten hat und vorne alles so gut eingeteilt hat, aber er muss ja gar nicht unbedingt vorne gehen. Außerdem hätten die anderen ja auch gehen können. Andrasch hat leichte Bedenken wegen des Bodens, aber Axxos stammt ja von Monsun und die können den Boden doch. Axxos sieht derzeit wirklich blendend aus.

GaloppOnline.de: Mit Davidoff haben sie einen weiteren Gruppesieger im Derby. Viele Experten zweifeln an seinem Stehvermögen.

Peter Schiergen: So, wie er in Krefeld gewann, sollte man meinen, er kann stehen, in München sah es vielleicht nicht unbedingt so aus, doch glaube ich, dass es für ihn besser ist, wenn er noch länger in Reserve gehalten wird. Das könnte im Derby gut möglich sein, denn dort gibt es ja genug andere, die vorne mitgehen. Auch Davidoff gefällt mir momentan hervorragend. Eigentlich hatten wir Jimmy Fortune verpflichtet, der uns dann aber noch abgesagt hat, nun reitet Martin Dwyer.

GaloppOnline.de: Mit Lovely Tiger hatte man eigentlich im Frühjahr gar nicht als Derbypferd gerechnet.

Peter Schiergen: Ja, er bekam ja nach dem Preis des Winterfavoriten einen Chip entfernt, stand lange im Gestüt. Das Comeback in Dortmund war schon stark. Nach dem Dresdener Sieg hat er seinen Platz im Derbyfeld natürlich verdient, doch ich glaube nicht, dass er der ganz große Steher ist, denn wie bereits gesagt, war das Dresdener Rennen für mich kein Test auf Stehvermögen.

Und wenn man sich die Nachkommen von Tiger Hill ansieht, hat er eigentlich kaum einen richtigen Steher gebracht. Er selbst hat über 2400 Meter nur so gute Leistungen gezeigt, weil er soviel Klasse hatte. Eigentlich sollte Lovely Tiger von William Mongil geritten werden, der ihn ja noch aus dem Vorjahr kennt, aber William ist leider nicht verfügbar, sodass Davy Bonilla eingesprungen ist.

GaloppOnline.de: Welches Pferd ist von Ihrem Quartett der größte Steher?

Peter Schiergen: Auf jeden Fall Eiswind, doch das Rennen kommt für ihn vielleicht noch etwas früh. Er hatte einige Kinderkrankheiten zu überstehen, hat ja nicht ohne Grund relativ spät angefangen. Er ist aber auf jeden Fall ein sehr gutes Pferd.

GaloppOnline.de: Wen sehen Sie im Derby als ihre gefährlichsten Gegner?

Peter Schiergen: Conillon, der sah im Führring in der Union schon stark aus. Und er kann sicher stehen und der Rennverlauf in Köln war sicher auch nicht optimal für ihn. Auch Persian Storm halte ich für sehr gefährlich, so wie er in München gewonnen hat. Das sind für mich die beiden größten Konkurrenten.

GaloppOnline.de: Haben Sie noch andere Pferde im Stall, die für das Derby in Frage gekommen wären?

Peter Schiergen: Ja, natürlich den Fährhofer Guarino. Es ist wirklich schade, dass er durch eine Verletzung aus der Bahn geworfen wurde, er befindet sich aber wieder im Aufbau, wann er wieder läuft, das kann ich noch nicht sagen. Er hätte im Derby sicher eine gute Chance gehabt.

GaloppOnline.de: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Ihrem neuen Stalljockey Andrasch Starke. Sind sie bislang zufrieden mit ihm?

Peter Schiergen: Ja, auf jeden Fall. Ich habe ja immer viel von Andrasch gehalten und er hat in dieser Saison auch einige ganz ausgezeichnete Ritte hingelegt, gerade in den großen Rennen. Man denke nur an Lovely Tiger in Dresden oder Axxos im Union-Rennen. Ich habe auch den Eindruck, dass er sich am Stall sehr wohl fühlt. Bis jetzt hat er meine Erwartungen absolut erfüllt.

GaloppOnline.de: Seit kurzem haben Sie auch einen Assistenztrainer.

Peter Schiergen: Ja, seit dem 15. Juni übernimmt Ilke Hildebrand diese Position. Ich kenne sie schon lange und kann mich absolut auf sie verlassen. Sie denkt in puncto Pferde genau wie ich. Sie war ja auch drei Monate allein mit Quijano in Dubai. Auch Peter Lautner, bei dem sie früher mal beschäftigt war, hat damals zu mir gesagt, ich müsse sie anstellen, sie wäre gut.

GaloppOnline.de: Wie sieht die Planung mit Ihrem Crack Quijano aus, der ja wieder in den Stall zurückgekehrt ist?

Peter Schiergen: Quijano bestreitet am 18. Juli ein Gruppe III-Rennen in Vichy. Das ist zwar eine relativ weite Reise, aber es past gut in die Vorbereitung. Geplant ist mit ihm danach ein Start in der Arlington Million. Am gleichen Tag könnte dort auch Touch my Soul starten, die dort in den Beverly D. Stakes laufen kann.

GaloppOnline.de: Am Anfang der Saison lief es für den Stall nicht so gut, es wurde in der Öffentlichkeit viel über mangelnde Stallform geredet.

Peter Schiergen: Ja, aber das hat mich nicht nervös gemacht. Man darf nicht vergessen, dass die Schlenderhaner und die Ullmann-Pferde weg sind. Das waren 50 Pferde, gezogen, wie es besser nicht geht. Zudem waren wir wirklich außergewöhnlich oft Zweiter, oft mit Pech oder nach Zielfoto geschlagen.

Hinzu kommt, dass Pferde, die dreijährig gewinnen, meist gleich vom Handicapper 'erschossen' werden. Ein Besipiel ist der Ebbesloher Nearly Perfect. Er hat in Dortmund fast nichts zu schlagen gehabt und bekommt ein GAG von 75 Kilo. Dagegen habe ich Beschwerde eingelegt.

GaloppOnline.de: Sicher nicht besonders angenehm war für Ihren Stall die Angelegenheit zwischen Filip Minarik und Andreas Helfenbein. Wie stehen Sie zu diesem Punkt?

Peter Schiergen: Es war natürlich eine Dummheit von Filip, doch andererseits bin ich auch der Meinung, dass das alles viel zu hochgespielt wurde. Natürlich bin ich nicht erade erfreut darüber, dass mein zweiter Jockey jetzt für einen solchen Zeitraum nicht zur Verfügung steht.

(29.06.2007)