Interview/Jockey Talks

Mit Ulrike Castle

GaloppOnline.de: Sie haben lange nach einem passenden Hengst für Isarland gesucht. Das war scheinbar nicht ganz einfach.

Ulrike Castle: In der Tat. Wir suchten einen guten, aber auch bezahlbaren Deckhengst, der genetisch zu den deutschen Stuten passt. Das hat sich als schwierig herausgestellt. Junge Hengste sind praktisch nicht zu bekommen. Auch bei älteren Hengsten ist es keineswegs ein Wunschkonzert.

Wenn sie sehr erfolgreich sind, dann sind sie unbezahlbar, und bei der großen Population der Stuten in England und Irland decken selbst „mittlere“ Hengste ein quantitativ sehr gutes Buch. Ich hätte auch einen weiteren guten Shuttle-Hengst wie Pentire akzeptiert, das war nicht zu realisieren. Zudem war mein Qualitätsanspruch hoch. Ich wollte etwas Gutes.

GaloppOnline.de: Immerhin haben Sie einen mehrfachen Gruppe I-Sieger und Gruppe I-Vererber wie Desert Prince bekommen.

Ulrike Castle: Was keineswegs ein Kinderspiel war. Deshalb hat es auch sehr lange, fast zu lange gedauert. Eigentlich war es für den Markt fast zu spät, deshalb hat mich das Interesse der Züchter sehr erfreut. Ich hatte mit rund fünfzig Stuten gerechnet, jetzt sind es über achtzig Anmeldungen geworden, das ist für Deutschland sehr viel. 32 davon sind Mütter von Black Type-Pferden oder haben selber Black Type. Und der Hengst hat mich zusätzlich in seiner Ausstrahlung fasziniert. Er ist etwas Besonderes, ruht richtig in sich. Er ist mit der Stimme zu regulieren.

GaloppOnline.de: Wie überlebenswichtig ist es für Isarland, einen nachgefragten Deckhengst zu haben?

Ulrike Castle: Unsere Situation dürfte bekannt sein. Das Gestüt gehört keinem privaten Eigner, sondern dem Münchener Verein zur Förderung der Pferdezucht. In der Mitgliederversammlung sitzen Kommunalpolitiker, die genau rechnen. Mit Frau Purucker-Seunig haben wir eine uns sehr wohl gesonnene Vorsitzende, doch Geld für einen Deckhengst gibt es eigentlich nicht. Letztlich leben wir von den Decktaxen und Jährlingsverkäufen, denn von den Pensionskosten können wir nicht existieren, da wir einen sehr hohen Personalaufwand haben.

GaloppOnline.de: Der Kauf war wie möglich?

Ulrike Castle: Indem wir Reserven mobilisiert haben. Wir haben Deckrechte verkauft, was erfreulicherweise sehr gut geklappt hat. Wie überhaupt das Interesse enorm war. Viele prominente deutsche Gestüte haben gebucht, international wurde er von Skandinavien bis Südeuropa nachgefragt.

GaloppOnline.de: Desert Prince war zu Beginn seiner Deckhengst-Karriere Shuttle-Stallion. Wird er noch einmal nach Australien gehen?

Ulrike Castle: Nein, das ist vorerst abgeschlossen. Was sicher auch Vorteile mit sich bringt.

Das Interview erscheint auch in der VOLLBLUT, die in Kürze erscheint

(09.05.2007)